Vitamin C und milchsäurebildende Bakterien zur Vermeidung von Scheideninfektionen

von Walter Lingard

Thermalbäder, Indoor-Pools oder gar Whirlpools sind Labsal für Körper und Seele. Dennoch meiden viele Frauen diese Annehmlichkeiten, weil sie unangenehme Erfahrungen mit nachfolgenden Infektionen insbesondere im Genitalbereich gemacht haben. Häufig leiden sie nach einigen Tagen oder aber auch erst nach wenigen Wochen unter Juckreiz und/oder Brennen und Ausfluss. Die häufigsten Erreger sind Soor-Pilz oder anaerobe Bakterien. Viele haben auch festgestellt, dass sie problemlos in natürlichen Gewässern baden können.

Nun sollte man aber nicht unbedingt den Betreibern der Einrichtungen die Schuld an diesen Infektionen geben, ihnen gleichsam vorwerfen, dass sie nicht auf genügend Hygiene achten. Zwar kann man nicht ausschließen, dass vor einem im Wasser gerade ein „Schweinderl“ geschwommen ist. Viel eher ist es der Fall, dass zu viel Desinfektionsmittel verwendet wird. Das führt dazu, dass die körpereigenen, milchsäurebildenden Bakterien durch das Desinfektionsmittel zerstört werden. Diese, auch von der hormonellen Situation abhängigen Bakterien sind nämlich der natürliche Schutz vor Infektionen mit krankmachenden Keimen der Umwelt.

Heute gibt es mit einfachen Mitteln die Möglichkeit, diese Infektionen zu einem hohen Prozentsatz zu verhindern. Erstens gibt es ein Präparat aus Vitamin C in Tablettenform, das am Abend nach dem Baden in die Scheide eingelegt wird. Vitamin C wirkt dort als milde Säure und kann wie die fehlende Milchsäure das Wachstum von krankmachenden Keimen verhindern. Zum Aufbau der normalen Keimbesiedlung empfiehlt es sich zusätzlich, für einige Tage nach dem Baden Milchsäure bildende Bakterien in Form von Scheiden-Tabletten oder Zäpfchen zuzuführen. Mit diesem einfachen Verhalten können die meisten Infektionen abgewendet werden.

Sollte dennoch eine Infektion auftreten oder treten solche Infektionen trotz der genannten Vorsichtsmaßnahmen immer wieder auf, ist die Untersuchung durch den Gynäkologen erforderlich, da es auch andere Gründe für diese Unpässlichkeiten geben kann. Das können – um nur wenige Beispiele zu erwähnen – Infektionen mit anderen Keimen oder auch Veränderungen an der Schleimhaut wie Schleimhautausstülpungen am Muttermund oder auch ein zerrissener Muttermund nach Geburt sein.

Über den Autor: Dr. Walter Lingard ist Facharzt für Frauenheilkunde und Geburtshilfe. http://www.dr-lingard.at/

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