Beliebte Irrtümer und häufige Verletzungen zum Thema Augen

von Jörg Hildebrandt


Kamillentee „Bauscherl“ bei Entzündung: eine beliebte Empfehlung, da das rote Auge tatsächlich blasser wird, denn die Kamille ist entzündungshemmend und zieht wenigstens vorübergehend die Blutgefäße zusammen. ABER: sie fördert Allergien und dafür ist die Augenpartie besonders empfänglich, selbst wenn man Kamillentee gerne trinkt. Das kann jederzeit neu auftreten und das Auge verschlechtert sich dann extrem. Bitte keine Kamille ans Auge (Vorsicht bei Allergikern: Sie ist auch in manchen Taschentüchern und sogar in Klopapier beigegeben!)

Verdirbt man sich die Augen bei schlechtem Licht? – Nein, aber wenn man eine leichte Brille bräuchte, fällt das dann auf, da die Pupillen weit werden und die Tiefenschärfe geringer. (Die älteren Fotografen kennen das noch mit der engen Blende bei viel Licht und der dann besseren Tiefenschärfe der Fotos). Mit zunehmendem Alter wird der Lichtbedarf insgesamt aber höher, das heißt es sollte die Lesebeleuchtung auch besser werden.

Es geistert immer wieder die Empfehlung herum „in die Sonne zu schauen“ – sei gut für die Psyche. Das sicherlich, weil Licht in den Melatonin Haushalt im Gehirn eingreift. Aber bitte mit geschlossenen Augen! Nie direkt in die Sonne schauen – die Linse bündelt es und brennt es in die Netzhautmitte (allenfalls kurz bei tiefrotem Sonnenuntergang). Helles hochenergetisches Licht (vor allem Blaulicht) erschöpft die Lichtrezeptoren und überlastet das System. Langfristig kann es zur Maculopathie führen („Netzhautverkalkung“ – etwas unglücklich übersetzt) – wie übrigens auch das Rauchen.

Insofern verdirbt man sich die Augen eher bei „gutem“ Licht.

Was gibt man bei Laugen / Säurenverätzung? Nicht lange denken, sofort mit Wasser spülen, spülen, spülen! Zeit ist entscheidend. Dann mit dem Beipackzettel zu Augenarzt / Augenambulanz. Vor allem Laugen, wie sie in der Landwirtschaft verwendet werden, sind hochgefährlich! Der Erblindung vorbeugen mit korrekter Einschulung und Schutzbrillen!

Beim Arbeiten mit Hammer und Meisel können Steinsplitter mit hoher Wucht wegfliegen, die das Auge zerstören können. – immer Schutzbrille und bei Verletzung Augenambulanzkontrolle!

Schweißen ohne Schutz macht einen UV Schaden an der Hornhaut (das Durchsichtige beim Auge), ähnlich der Schneeblindheit bei Gletschersonne. Die oberste Schicht verliert Zellen, sodass nach und nach die Hornhautnerven den Schaden mit starken Schmerzen melden – meistens mitten in der Nacht zum Unbill aller Beteiligten.

Beim Öffnen von Sektflaschen und Abfeuern von Raketen erkennt man Augenärzte an einem stark erhöhten Stresspegel – so zahlreich sind die Erlebnisse mit geprellten oder zerstörten Augen. Bitte Vorsicht, Flugbahn abschätzen, Korken besser mit der hohlen Hand festhalten oder ins Freie schießen, nicht nachschauen, warum die Rakete noch nicht startet,…

Schutz der Augen: bei Sonne, Schweißen, bei allen Tätigkeiten wo etwas spritzen oder wegfliegen kann: Säuren / Laugen, Schleifen, Stemmen, Hammer / Meisel, Sylvesterraketen und Sektkorken – das sind die üblichen Verdächtigen…

Weitere Tipps und Informationen unter  www.dr-hildebrandt.at

Über den Autor: Dr. Jörg Hildebrandt ist Facharzt für Augenheilkunde und Optometrie. Als Praktischer Arzt und Ganzheitsmediziner behandelt er auch Erkrankungen, bei denen die Augen nicht betroffen sind. www.dr-hildebrandt.at

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