Gefäßtraining bei Durchblutungsstörungen

von Erich Minar

Entscheidend ist der frühzeitige Beginn mit regelmäßigem Gefäßtraining, um wirksame Umgehungskreisläufe und eine Durchblutungsreserve bei vorhandenen Durchblutungsstörungen aufbauen zu können. Die Mehrzahl der Betroffenen kann innerhalb von wenigen Monaten beschwerdefrei werden bzw. eine Steigerung der Gehstrecke und damit der Lebensqualität erreichen.

Sind durch intensives Training bereits wirksame Umgehungskreisläufe entstanden, handelt es sich dabei um „junge“ Gefäße. Sie sind noch nicht durch Risikofaktoren geschädigt und gewährleisten daher eine dauerhafte Verbesserung der Durchblutungssituation.

Gehtraining im freien Gelände

Dafür sollten Sie täglich mindestens zweimal 30 Minuten oder einmal 60 Minuten Gehtraining bereits einen Tag im Voraus planen. Sie können sich auch eine Messstrecke anlegen, um die zurückgelegte Gehleistung (und damit Ihr Erfolgserlebnis) zu überprüfen. Und zwar einmal pro Woche. Dabei gehen Sie so vor: Wählen Sie eine Gehstrecke aus, an der sich markante Punkte in immer gleichem Abstand befinden. Das kann zum Beispiel eine Trafik – an der Sie vorbeigehen – sein, eine Parkbank, eine Straßenbahn- oder Bushaltestelle oder eine Laterne. Anhand dieser Messstrecke lässt sich die Entwicklung der maximal-schmerzfreien Gehstrecke sowie der maximal- möglichen Gehstrecke feststellen. Schreiben Sie sich zur Kontrolle täglich die Trainingszeit und die Länge der zurückgelegten Strecke auf. Die auf die Belastungsphasen

folgenden Ruhephasen (Stehen – zum Beispiel vor einem Schaufenster – oder Sitzen) sollen anfangs im Verhältnis von ungefähr 1:1 den Belastungsphasen entsprechen (gleiche Zeitdauer für Gehen und Ruhen). Bei zunehmender Gehstrecke werden die Ruhepausen immer kürzer, die Wegstrecken jedoch länger. Die Ruhephase sollte jedoch jedenfalls bis zum Abklingen der Beschwerden andauern. Gehtraining kräftigt vor allem die Unterschenkelmuskulatur und ist daher bei durchblutungsbedingten Wadenschmerzen vorzuziehen.

„Strampel“-Training

Beim „Strampeln“ am Fahrrad ist die Stellung des Fußes am Pedal sehr entscheidend. Wird mit dem Zehenballen getreten, ist auch die Wadenmuskulatur voll beansprucht. Wird jedoch der Mittelfuß am Pedal aufgesetzt, kann die Oberschenkelmuskulatur die Arbeit weitgehend übernehmen und die Wadenmuskeln bleiben unterbeschäftigt. Das Fahrradfahren ist eine gute Ergänzung zum Gehtraining, ist aber keineswegs ein Ersatz dafür. Auf Schusters Rappen ent-geht man der Claudicatio am besten.

Wie lange soll man trainieren?

Die lapidare Antwort auf diese Frage lautet: Wie Zähneputzen – ein Leben lang. Nur ein dauerhaftes Gefäßtraining kann auch zu einem dauerhaft guten Erfolg führen. Einerseits können durch Langzeittraining über zwei Drittel der Patienten beschwerdefrei oder zumindest sehr gut belastbar werden. Andererseits kann ein dauerhaftes Gehtraining auch eine dauerhafte Reduktion der Risikofaktoren für Herz und Gefäße bewirken und so die hohe Sterblichkeits- und Ereignisrate bei diesen Patienten nachhaltig senken.

Über den Autor: Univ.-Prof. Dr. Erich Minar ist Gefäßspezialist und Facharzt für Innere Medizin. http://www.gefaesserkrankung.at

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