Bewältigung von Extremsituationen

von Christian Schiester

1. Ich habe am Start eines Rennens nie an die vollen 250 Kilometer gedacht, die vor mir liegen, sondern nur an die Tagesetappe, manchmal sogar nur von Checkpoint zu Checkpoint oder von Stein zu Stein. Um ein großes Ziel zu erreichen, setzt man sich einfach mehrere Zwischenziele. So kann man immer wieder Teilerfolge feiern, die motivieren und treiben an.

2. Eines meiner Lieblingszitate: „Der Schmerz vergeht, der Stolz aber bleibt!“ Es bringt nichts, sich gegen den Schmerz zu wehren, vielmehr muss man ihn akzeptieren und damit umgehen lernen. Nicht bei den ersten Schwierigkeiten aufgeben, unser Körper kann mehr leisten als viele glauben. Je größer die Herausforderung, die bewältigt wird, desto zufriedener ist man danach. Trotz extremer Schmerzen auf offenem Fleisch weiter gelaufen und dadurch mental stärker geworden. körperliche Spätfolgen: keine)

3. Vorbereitung ist alles: Training, Planung, Ausrüstung und die passende Einstellung. Nicht einfach blind in ein Abenteuer stürzen. Nur wer schon zuvor seine Hausaufgaben gemacht hat, der wird körperlich und auch geistig gerüstet an den Start gehen können.

4. Flexibilität: Trotz optimaler Vorbereitung kommen Dinge oft anders als erwartet. Davon nicht aus der Bahn werfen lassen. Nicht in Problemen, sondern in Lösungen denken. Schon im ersten Wüstenrennen habe ich mich bei der zweiten Etappe stundenlang verlaufen, der Traum von der Top-Platzierung war geplatzt. Aber ich habe mich mit meiner Navigations-Uhr zurück gekämpft und das Feld von hinten aufgerollt. Endresultat: Eine Aufholjagd vom 44.  auf den stolzen sechsten Platz und der Respekt der anderen Teilnehmer.

5. Positiv denken, das Leben genießen: Trotz der vielen schmerzhaften Momente konnte ich von meinen Laufen nur Positives mitnehmen. Eindrücke aus fernen Ländern, fremden Kulturen, Bilder von atemberaubenden Landschaftsformen, extreme Erfahrungen, die mich als Mensch weiter gebracht haben. Auch in schwierigen Situationen gibt es meistens noch Positives, auf schlechte Phasen folgen wieder gute.

Über den Autor: Christian Schiester ist Inhaber von 26 steirischen Landesmeistertiteln im Halbmarathon, Marathon, Berglauf und Crosslauf. Sein größter Erfolg: der souveräne Sieg beim mehrtägigen Himalaya-Run im Herbst letzten Jahres.

www.christian-schiester.com, www.extreme-sportmanagement.com, www.eltorosailing.com

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