Augen: Kinder und Jugendliche

von Jörg Hildebrandt

Was viele nicht wissen: es gibt auch schon Kinder die schwer nah-einstellen (akkomodieren) können. (= Juvenile Hypoakkomodation) Es kostet sie mehr Energie als ihre Klassenkameraden, was zu Kopfschmerzen nach der Schule, zu Augenzwinkern und zu Legasthenieartigen Beschwerden führen kann. Vor jeder Legasthenie Diagnose müssen daher Seh- und Hörfehler als Ursache vom Facharzt ausgeschlossen werden! Typisch wäre eine Zunahme der Fehler im Laufe des Aufsatzes oder Probleme beim Abschreiben von der Tafel. (Okuläre Lese- Rechtschreibstörung)

Übrigens: das Vergehen von Augenkneifen beim Kind beweist NICHT, dass es gut sieht.

Entgegen dem zunehmenden Trend: Kinder sind keine zu klein geratenen Erwachsenen! Die kindliche Sehleistung hat eigene Regeln. Ich erinnere mich an ein 3 jähriges Kind bei einer Vorsorgeuntersuchung, das -15 Dioptrien (!) kurzsichtig war und bisher nie aufgefallen war.. Natürlich glaubten mir das die Eltern nicht. Auf 7 cm sieht das Kind auch ganz scharf, in der Ferne erkennt es Papa und Mama an der Stimme und Statur auseinander, viel mehr braucht es auch noch nicht.

ABER: bis zur Schulzeit bilden sich die zuständigen Nervenzellen im Gehirn zurück, da sie damit rechnen, nie schärfer sehen zu müssen (Amblyopie = Schwachsichtigkeit). Eine Therapie (Brille) MUSS daher in den ersten Lebensjahren erfolgen, bevor es zu einer Fixierung der Amblyopie ab dem 6./7. Lebensjahr kommt. Noch wichtiger ist das bei einseitiger Sehschwäche (die noch weniger auffällt, weil ja ein Auge scharf sieht), wie sie bei minimalem Schielen oder unterschiedlicher Kurz-/ Weitsichtigkeit beider Augen auftritt.

Fazit: Augenarztuntersuchung im 2-3. Lebensjahr und dann optimal jährlich bis zur Schule, mindestens aber noch einmal mit 4 oder 5 Jahren!

Auch ein unerkanntes Mikroschielen kann zu einem Abschalten eines Auges und zu so einer Amblyopie führen. Hier muss außer der Vollkorrektur (mittels Eintropfuntersuchung bestimmt) meistens noch eine Übungsbehandlung mit Abkleben des besseren Auges über einige Stunden pro Tag erfolgen.

Kontaktlinsenträger: Hygiene und möglichst kurzes Tragen sind noch immer zu beachten, trotz Verbesserungen und anders lautender Werbung. Kontaktlinsen behindern die Sauerstoffversorgung der Hornhaut. Das führt zu erhöhtem Risiko einer Gefäßeinsprossung. Die Kontaktlinsen reizen die Bindehaut in individuell unterschiedlichem Ausmaß. Das kann zu einer Verklebung der Lidranddrüsen und zu trockenem Auge führen, was es sogar unmöglich machen kann, weiter Kontaktlinsen zu tragen. Aber am Gefährlichsten ist eine Infektion mit Akanthamöben (treten praktisch nur bei Kontaktlinsenträgern auf, meist durch verunreinigtes warmes Wasser). Diese Infektion ist langwierig und kann zur Erblindung führen. -> gute Hygiene ist nötig und Kontaktlinsen nicht ablecken.

Disclaimer: Diese Tipps dienen zur Information und erheben keinen Anspruch auf Vollständigkeit. Sie ersetzen keinesfalls eine ärztliche Untersuchung.

Sollten Sie durch eine Information verunsichert oder beunruhigt sein, beachten Sie, dass die Informationen allgemein gehalten und nicht auf Sie persönlich zugeschnitten sind. Holen sie entspannt Rat bei Ihren Ärzten ein.

Weitere Tipps und Informationen unter www.dr-hildebrandt.at Dr. Jörg Hildebrandt, Wahlarzt für Augenheilkunde, Homöopathie und Akupunktur, Feldmühlweg 103, 3100 St Pölten

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