Den Mut haben, sich immer wieder neu auf das Leben einzulassen

1. Juni 2011

von Judith Judt

Personale Existenzanalyse und Logotherapie

Wegweiser, und Rahmen sind die vier Grundmotivationen oder auch Grundbewegungen des Menschen.

Die ersten drei Grundmotivationen, wie später angeführt,  bearbeiten  das Thema der Personalen Existenzanalyse, nach Alfried Längle. Ihr ist es wichtig die Person zu einem  „Ja, zum Leben“ zu führen. Vor allem dort, wo keine Veränderungen mehr möglich sind, wie zu bestimmten Lebensumständen, zu Schicksalsschlägen, zu Kultur und Familie, physischer Gesundheit, zu ihren Schwächen und Stärken, zu ihren Gefühlen, zu ihrem Versagen, zu ihrer Vergangenheit, ihrer Kindheit, ihrem Charakter.

Es heißt aber nicht, diese Umstände nicht verändern zu wollen, es heißt nicht diese gut zu heißen, es heißt nicht, dass die Person  damit umgehen können muss.  Zu einem „Ja“ kann ich, laut Existenzanalyse, finden, wenn ich mein Leben trotz widriger Umstände annehmen kann! Zum Annehmen finde ich, indem ich mein Leben aushalte, es sein lassen kann, wie es ist, ich lerne damit leben. Dieses Annehmen führt zu Gelassenheit und Frieden. Der Kampf gegen Unveränderbares hört auf. So wird der Blick frei für zukünftiges Leben.

Das Thema der vierten Grundmotivation ist die Logotherapie bzw. Sinntherapie, nach Viktor Frankl. Wobei sinnvolle Erfahrungen, nach Frankl, dem Begründer der Logotherapie, aus Erlebniswerten, schöpferischen Werten und sogenannten Einstellungswerten gewonnen werden können. Letzteres bedeutet vor allem sich einstellen zu Verlusten, Leid, Schuld und Tod. Bei Frankl geht der Wille in Richtung Sinn auch im Angesicht von unwiederbringlichen Verlusten. Dies bedeutet für ihn die Trotzmacht des Geistes zu aktivieren und über alles Hindernde hinweg trotzdem immer wieder „ja, zum Leben „ zu sagen. Hier schließt sich der Kreis zur Personalen Existenzanalyse.

Kurz zum persönlichen Hintergrund der genannten Personen. Alfried Längle war ursprünglich ein Schüler Viktor Frankes, ging aber später eigene Wege in der Entwicklung der Personalen Existenzanalyse. Bei dieser Arbeitsweise ist es wichtig ist, nicht nur Sinn im positiven zukünftigen Handeln, wie in der Logotherapie, zu finden, sondern auch einen Blick auf die Vergangenheit einer Person zu werfen und Belastendes bzw. Hemmendes aufzuspüren, begreifbar zu machen und so aufarbeiten zu können.

Personale Existenzanalyse – Blick in die Vergangenheit – Aufarbeitung, Versöhnung – dann Blick in die Zukunft – sinnvoll handeln nach Alfried Längle. Logotherapie – dort wo ich stehe, sinnvoll handeln – ohne Aufarbeitung der Vergangenheit – nach Viktor Frankl. Wobei Längle die Logotherapie als 4. Grundmotivation in seine Personale Existenzanalyse eingefügt hat. Dieser Unterschied der Arbeitsweise ist hier sehr vereinfacht dargestellt. Beide Wege führen zu einem gangbaren therapeutischen Prozess.

Diese Erklärungen, vorangegangene und folgende, sind vor allem für sie bestimmt, damit sie sich ein wenig in die Materie der Logotherapie und Existenzanalyse einleben können.

Die vier Grundmotivationen, die ich in Folge anführen möchte, sind wesentliche Impulskräfte des menschlichen Daseins. Es besteht ein Streben diese Grundbedürfnisse zu erhalten, zu erneuern oder neu zu erringen. Es stellen sich in der Praxis der Existenzanalyse und Logotherapie die Fragen: Was braucht es, um zu einem erfüllten Leben zu kommen? Was braucht es von mir? Was fehlt mir dazu? Was behindert mich darin? Indem ich diesen Fragen nachgehe, kann ich zu mir selbst und mit der Welt um mich herum in eine tiefe und bewusste Beziehung kommen.

1.GM Dasein – können, das Streben nach Sicherheit – Hier geht es um das Erleben von Halt, Raum und Schutz, um in dieser Welt sein zu können. Unterstützt und gefördert wird dies durch Erfahrungen von angenommen sein, die schon in der Kindheit grundgelegt werden. Die Anfragen lauten: Kann ich so leben?  Fehlt mir etwas Essentielles zu einem guten Leben? Was hindert mich am Leben?

Psychopathologie bedeutet in diesem Zusammenhang, etwas das sich in meinem Leben ereignet hat nicht annehmen können oder ablehnen. Heilung und Therapie besteht darin, sich mit dieser Wahrheit in Verbindung bringen, sich damit auseinanderzusetzen, sie als gegeben annehmen als eigene Realität erkennen. Leitmotiv: Annehmen können, das was ist:

2.GM  Leben – mögen, das Streben nach Beziehung – Fühlen von Nähe und Zuwendung. Gefördert wird dies durch Zuwendung, die uns geschenkt wird. Es leitet aber auch an, sich Wertvollem zuwenden zu können. Die Anfragen lauten: Mag ich so leben? Lebe ich mit innerer Zustimmung? Mag ich mein Leben oder lehne ich es ab?

Wichtig ist es hier, sich im therapeutischen Prozess mit seinen Gefühlen auseinanderzusetzen. Zustimmung und Ablehnung Raum geben können und dazu stehen. Das Wertvolle für sich selbst erfassen und seinen Emotionen vertrauen lernen. Leitmotiv: Wertvolles erkennen, sich zuwenden können. Sorgsam mit sich selbst  umgehen.

3.GM Sosein – dürfen, das Streben nach Achtung – Es geht um das Spüren von Wertschätzung, Individualität und um die nötige Abgrenzung. Gefördert wird dies durch den Respekt, den andere Menschen mir entgegen bringen. Es verlangt aber auch die Anerkennung des Eigenen durch sich selbst. Die Anfragen lauten: Darf ich so leben?  Darf ich der sein, der ich bin?

Wesentlich ist hier zu lernen, jedem seine Eigenheit zu belassen. Sein Eigenes, sich selbst, respektvoll in Empfang nehmen und es von den anderen abgrenzen können. Sein persönliches Gespür entwickeln und dadurch authentisch sein. Wertschätzung für sich und andere aufbringen. Leitmotiv: Das ich und du respektieren und achten.

4.GM Sinnvoll – leben, die Offenheit für Sinnvolles – Sinnverwirklichung – Streben nach Sinn und Erfüllung – Wille zum sinnerfüllten Leben. Die Anfragen lauten: Soll ich so leben?  Erlebe ich mein Leben als sinnvoll? Was fehlt mir zu einem Leben, das mich mit Zufriedenheit und Sinnhaftigkeit erfüllt?

Es ist dabei wichtig Offenheit für die Anforderungen oder Angebote seiner Lebenssituation zu entwickeln, sein Betätigungsfeld zu finden, wo Begabungen eingesetzt werden können. Das Sinnvolle des Lebens erkennen und sich voll darauf einlassen. Leitmotiv: Sinnvoll handeln

Die Logotherapie und Existenzanalyse arbeitet mit verschiedenen Methoden um die angestrebten Werte zu erringen  oder Lebenshemmungen zu überwinden.

Als Gesundheitstipp möchte ich ihnen die Entscheidungsfindung  und Sinnerfassungsmethode vorstellen.

SINNERFASSUNGSMETHODE – ENTSCHEIDUNGSFINDUNG

Wenn ich zwischen 2 Alternativen wählen soll – Welche ist sinnvoller?

1) Wahrnehmen:

Informationen einholen, Orientierung wichtig – Was liegt hier vor? Was sind die Rahmenbedingungen? Das ist das Feld in dem ich mich bewege. Fakten sammeln > Hinweise auf Wahrnehmungsverzerrung beachten. Fixierte Vorstellungen kann ich aufspüren. Was sind die tatsächlichen Gegebenheiten?

2) Werten:

Werten, um Klarheit zu bekommen, ob eine wahrgenommene Möglichkeit, auch eine Sinnmöglichkeit darstellt. Es bedarf des Erfassens! Beziehungsaufnahme wichtig < hin spüren >Wie ist es? Wofür ist es gut? Je mehr ich mich einlasse, je mehr erfasse ich ihn in seiner Wertigkeit. Genau hinschauen! Die sachliche Wahrnehmung geht über in ein „Wertfühlen„. Was empfinden sie dabei? Wie erleben sie das? Wie wirkt es auf sie?

3) Entscheiden:

Wenn 1+2 gut gelingt, geht 3 leicht! Die Entscheidung liegt dann auf der Hand. „Ja, das will ich!“ Sich dazustellen, zu der als richtig erkannten Möglichkeit. Ist wichtiger Schritt bei wichtigen Entscheidungen! „JA“ hat Vertragswirkung! Ist festgeschrieben, da kann ich mich nicht darüber schummeln. Sag ich ja? Kann ich mich dazustellen, meine Unterschrift darunter setzten?

4) Umsetzen:

Durchführen > Handeln > Wenn 3 gut, dann geht es. Mittel und Wege für die Umsetzung finden > Handlungsplan erstellen!

Dies klingt alles sehr logisch und selbstverständlich. Für mansche Personen kann es aber sehr schwierig werden, wenn sie z.B.  durch schwerwiegende Verluste – wie Krankheit, Unfall, Todesfall – aus der Bahn geworfen worden sind und sich mit Hilfe eines Begleiters das Leben neu ordnen müssen. Da kann man nur kleine Schritte machen und die sollten gut abgewogen sein. Denn die Lösung und der sich zeigende Weg  wird nicht vom Begleiter erdacht, sondern er soll sich im Herzen des Klienten manifestieren. Nur dann ist er gangbar. Durch das Aussprechen und gemeinsame reflektieren der vorhandenen Möglichkeiten und durch die Wertschätzung und Empathie, die der Begleiter der Person entgegenbringt, findet sie zu mehr Vertrauen und Sicherheit in der neuen Lebenssituation.

Über die Autorin: Mag. Judith Judt ist Apothekerin, Lebens- und Sozialberaterin und Expertin für Logotherapie & Existenzanalyse.

http://www.iris-beratung.com/

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Herzlich, Menschlich

25. März 2011

von Manfred Greisinger


Sehr gerne beteilige ich mich – und nenne als Gesundheitstipp die Wertschätzung.

Wollen wir Wunder erleben? – So behandle den Nächsten, wirklich jenen, der gerade vor dir steht, HERZLICH, MENSCHLICH. Was wir aussähen, dürfen wir auch ernten… Es wär´ ganz einfach, wär´ unser Ego nicht so stark und würde es sich nicht so oft schlecht behandelt, zu wenig beachtet fühlen…

Über den Autor: Dr. Manfred Greisinger ist Autor, PR-Coach, Referent, Trainer, Univ.-Lektor für personal branding. http://www.stoareich.at/willkommen.php

„What ever happens in life and what it may bring, don’t ever loose your dreams and your fantasy…“
Kurt Hauenstein (Musiker, bekannt geworden als Supermax, gestorben im März im Alter von 62…)

PS: Neue Themen in Kategorie Kreuz & Quer: Der weibliche Herzinfarkt und die NAN-Regel und die Kunst der kleinen Schritte. Alles Liebe, P.


Mensch und Erde sind ein Körper

25. März 2011

von Thich Nhat Hanh

„Liebe Freundinnen und Freunde in Japan!
Wenn wir an die große Zahl von Menschen denken, die in dieser Tragödie ums Leben gekommen sind, spüren wir sehr deutlich, dass auch wir selbst auf eine gewisse Weise gestorben sind. Das Leiden von einem Teil der Menschheit ist
das Leiden der ganzen Menschheit. Und die Menschen und der Planet Erde sind EIN KÖRPER. Was einem Teil des Körpers widerfährt, widerfährt dem ganzen Körper.

Ein Ereignis wie dieses erinnert uns an die vergängliche Natur unserer Leben. Es hilft uns, daran zu erinnern, dass das Wichtigste ist, einander zu lieben, füreinander da zu sein und jeden Moment wertzuschätzen, an dem wir lebendig sind. Unsere Gebete sind mit Euch.“

Über den Autor: Thich Nhat Hanh ist buddhistischen Mönch und Buchautor. Dieser Text war am 20.3. 2011 auf der
Titelseite der Salzburger Nachrichten (abgetippt und gemailt von Manfred Greisinger).


Das Schattenprinzip

18. Februar 2011

von Ruediger Dahlke

Meine 3 Gesundheitstipps

1. Machen Sie einen regelmäßigen Mittagsschlaf oder besser noch eine „Tiefenentspannung“ zu Mittag und am besten auch nach der Arbeit. (Genaueres in „Vom Mittagsschlaf zum Powernapping“ (Nymphenburger Verlag)

2. Nehmen Sie jeden Morgen nüchtern einen Esslöffel der Rohkostmischung
„Take me“ zu sich, damit Ihr Serotonin-Spiegel über den Tag stimmt und damit auch Ihre Stimmung (weitere Infos: http://www.heilkundeinstitut.at)

3. Lernen Sie so früh wie möglich, die Spielregeln des Lebens und die Chancen Ihres Schattens kennen und schätzen. (Bücher dazu: „Die Schicksalsgesetze – Spielregeln fürs Leben“, „Das Schatten-Prinzip“ (beide Goldmann))

aus  „Das Schatten-Prinzip“, 2. Auflage, Arkana, München, 106:

Wir ganz normalen Helden und Heldinnen gehen auf unsere Art, in unserem Tempo ebenfalls diesen Weg. Wir haben die Wahl, freiwillig und bewusst das Schattenreich, unseren persönlichen Hades, zu durchwandern, etwa in Form von Psychotherapie. Oftmals lassen wir uns aber auch unfreiwillig durch Krisen, Krankheiten und Schicksalsschläge dorthin bringen. In jedem Fall lautet der Auftrag, sobald wir uns dort freiwillig oder unfreiwillig wieder finden, Licht ins Dunkel zu lassen. Es gilt den Mut aufzubringen, ins Dunkel der eigenen Seele zu schauen, wertfrei, wie ein seelisch gesundes Kind ein Märchen hört. Hier hat auch die böse Hexe ihren ungestrittenen Platz und ist zentraler Teil von Schicksalsgeschehen und Entwicklungsweg.

In der tiefsten, dunkelsten Erde liegen die kostbarsten Edelsteine- bei Hades-Pluto, der auch als Gott des (inneren) Reichtums, der Quelle alles Schöpfungskraft verehrt wurde. Der seelische Schatten verbirgt wie gesagt unsere größten inneren Schätze und Talente. Sie warten dort geduldig, gehoben zu werden. Die einfachste und wirkungsvollste Art, sich in das Bilderreich zu begeben, ist die der bewussten Imagination.

Diese benötigt als Einstieg eine Phase der Entspannung, die zu Ruhe und Gelöstheit führt, denn die archetypisch weibliche Seele benötigt Gelassenheit, um das Eigentliche geschehen zu lassen. Jedem aktiven Tun und Machen im Sinne von Etwas-erreichen-Wollen entzieht sie sich.

Über den Autor: Dr. Ruediger Dahlke ist Arzt , Psychotherapeut und Autor.

http://www.dahlke.at/, http://www.mymedworld.cc/, http://heilkundeinstitut.at/


Auf der Suche nach der Idealform des Seins

1. Dezember 2010

von Barbara Stekl

 

Ich freue mich, dass ich eingeladen wurde im Rahmen dieses Blogs mit Ihnen meine Gedanken teilen zu dürfen. Ich spreche hier zu Ihnen nicht nur als Energethikerin, die in eigener Praxis die asiatische Körper und Energiearbeitsform „Ergosoma“ seit einigen Jahren mit Freude und Hingabe praktiziert, sondern auch als ein Mensch, der seinen persönlichen Heilungsweg beschreiten durfte.

Eine schwere Krankheit vor mittlerweile 20 Jahren, hat dazu geführt, dass ich mich auf die Reise in meine inneren Welten begeben habe, meine Seele gefragt habe, was meinen Körper krank gemacht hat und was ich verändern kann um wieder ganz gesund zu werden. Diese Suche führte mich durchs Land der Seele, aber auch eine spirituelle Sicht der Dinge wurde mir geschenkt. Ich probierte viele Methoden aus, öffnete mich der Komplementärmedizin und Homöopathie, veränderte meine Ernährung und konnte am eigenen Leib die heilsame Wirkung der Verbindung von Schulmedizin und Ganzheitsmedizin erfahren. Das alles machte mich neu. Es war wie ein Geburtsvorgang. Ich musste durch einen dunklen Kanal durch, bis ich dann befreit ans Tageslicht treten konnte.

Zu Beginn der 90-er Jahre lernte ich meinen geistigen Lehrer Romulo Tajon kennen, der mich seit vielen Jahren weise und liebevoll begleitet. Von ihm lernte ich die Methode „Ergosoma“, eine ganzheitlich körpertherapeutische Behandlungsmethode. Seit über drei Jahren begleite ich Menschen, gebe ihnen Impulse durch meine Behandlungen, aber auch in Meditationen, damit die Hilfesuchenden Ihre ganz persönliche Idealform des Seins finden können.

Mein Weg den ich gehe, hat mich sehr in Kontakt mit mir selbst und meiner Umwelt gebracht. Eine neue Art des Sehens und Fühlens, der Intuition des Bewusstseins ist entstanden und entwickelt sich immer weiter. Die heilsame und bewegende Kraft des Loslassens erlebe ich immer wieder, für die es aber leider kein Patentrezept gibt. Sie passiert einfach und immer zum richtigen Zeitpunkt.

Mein Motto:

Wenn Du mit Liebe und Leidenschaft im Hier und Jetzt lebst, deinen Körper und Deine Seele bewusst nährst und regelmäßig reinigst, dann erhält Dich das gesund und bringt deine Lebensströme immer neu zum Fließen. Tue das, was Dein Herz zum Singen bringt! Ach ja: und vergiß auch das Lachen nicht, es befreit Dich und mobilisiert Dein Immunsystem.

Wenn Sie Fragen haben, oder Hilfe benötigen, und ich Ihnen dabei weiterhelfen kann, dann freue ich mich sehr auf Sie und stehe Ihnen gerne zur Verfügung.

Ich wünsche Ihnen eine wunderbare Zeit.      Alles Liebe, Barbara Stekl

Über die Autorin: Dr. Barbara Stekl ist Ergosompraktikerin und Energethikerin. www.stekl.at

 


Individualität und Glück

17. November 2010

von Gerald Pfeiffer

Ich wurde eingeladen auf diesem Portal in meiner Funktion als Spiritueller Heiler und Bewußtseinstrainer einen Gesundheitstipp zu veröffentlichen, was ich hiermit auch dankend annehme und gerne tue. Allerdings ist dies nicht so einfach, denn wer von Ihnen ist denn nicht schon abgefüllt mit guten Ratschlägen, die, wenn man sie auch beherzigt, einen den ganzen lieben Tag lang beschäftigen würden.

So ist man zwar offen und bereit sich und seine Lebensgewohnheiten auch zu ändern, aber Hand aufs Herz: Wie viel haben Sie schon begonnen und trotz guten Erfolges dann doch wieder fallen lassen und das getan, was Ihnen entspricht? Und genau da sind wir am Punkt angekommen: Was paßt denn zu mir und meiner Struktur? Was unterstützt mich in meinem Ausdruck, macht mein Leben  einfacher und nicht durch neue Regeln und Vorschriften, so gut sie auch gemeint sind und so richtig sie auch sind, noch komplizierter? Was befreit aus meinem Inneren jene Kraft, die mich am Leben und gesund erhält?

Oder anders herum: Womit verhindere ich durch jene Dinge, die ich mangels Selbst-bewußtsein tagtäglich erfülle, um dem, was mir gesagt wurde, was ich zu tun und zu lassen habe, um der Gesellschaft Genüge zu tun, um alles zu erfüllen und alles zu sein, was ich glaube sein zu müssen, was mir von Außen auferlegt wurde, dass diese Kraft frei durch mich fließt und mich erfüllt, ja alle anderen Dinge letztendlich der Ersatz für mein verlorenes Erfülltsein sind!

Ich behaupte, dass es keine Erkenntnis gibt, die nicht irgendwie und irgendwann, wenn richtig angewendet und der Individualität des Einzelnen entsprechend, hilfreich und segensbringend ist. Dadurch sollte man nichts ausgrenzen oder ablehnen, sondern immer offen und frei sein, um in jeder erdenklichen Situation das Richtige tun zu können, auch wenn es in meine Vorstellungen nicht hineinpaßt.

Doch leider ist nichts dauerhaft und so bleiben wir ein Leben lang Suchende von Glück, Zufriedenheit und Gesundheit. Aber gibt es denn so einen Zustand überhaupt? Ja, den gibt es! Doch er bedarf einer radikalen Änderung unserer Sicht auf unser Da-sein.

Wenn wir uns nicht mehr als Menschen sehen, die nach einer spirituellen Erfahrung streben, oder am Ende des Lebens auf Erlösung im Jenseits hoffen, sondern uns als Geistige Wesen erkennen, die im Leben und Er-leben eine menschliche Erfahrung machen, dann werden wir erkennen, welch ungeahntes Potential und Wissen in uns schlummert, das uns sicher durchs Leben führen und von ganz alleine Glück und Gesundheit in unsere Existenz bringen würde.

Und nun sind wir wieder, wo wir begonnen haben: unsere Individualität. Jeder von uns ist einzigartig! Jeder von uns, hat etwas, das ihn unverwechselbar macht und das nur er kann und das liegt in unserer Seele verwurzelt. Wenn wir uns, das heißt unsere Seele frei, vollständig, unbefangen, unbeurteilt und mit Freude ausdrücken, dann werden wir staunen, was für Wunder in unserem Leben täglich stattfinden und wie schön und erfüllt unser Dasein sein kann!

Ich darf in meiner Arbeit als Heiler mit geistiger Kraft diese Wunder erleben. Umso schmerzlicher wird all das Leid, das so viele mit sich  herumschleppen. Darum habe ich mein Leben der Aufgabe gewidmet, anderen zu helfen und das weiter zu geben, was mir zuteil wurde. Ich möchte Sie ermutigen einen Schritt zu Ihnen Selbst zu machen und das,   was ich hier geschrieben habe und was vielleicht ein wenig befremdlich oder zu esoterisch klingt, selbst zu erfahren, mit all den positiven Auswirkungen auf Ihr Leben.

Ich selbst bin vom naturwissenschaftlichen Medizinstudium beginnend, über Massagetherapien, Yoga, Radiästhesie, Bioresonanz, Kinesiologie, Chinesischer Medizin, Farbtherapie, Schamanismus und Geistheilung einen weiten Weg gegangen, bis ich bereit war, von all dem los zu lassen, um jene Bereiche unserer Existenz zu erschließen, wo Gesundheit und Zufriedenheit stattfindet.

Gesundheit liegt in Ihnen und in Ihrer Hand. Manchmal ist es jedoch hilfreich, wenn einem jemand in schwierigen Zeiten die Hand gibt und ein wenig stützt. Und so eine Stütze können alle Dinge sein, ob Ratschlag, Zuwendung, eine Therapieform oder ganz einfach die Freude am Leben, aber nur dann, wenn es Sie tatsächlich glücklicher, zufriedener, gesünder, erfolgreicher und freudiger macht, weil es Sie in dem Lebensausdruck den Sie gewählt haben, in dem was Sie sind, unterstützt.

Mein Tipp: Er-leben Sie Ihr Leben in all seinen Höhen und Tiefen, mit offenem Herzen und frei von dem was Ihnen Ihr Verstand dauernd dazwischen redet, in ganzer Intensität, seien Sie neugierig und offen wie ein Kind und freuen Sie sich heute eine neue Facette des Lebens kennen zu lernen und erforschen zu dürfen und haben Sie keine Angst etwas falsch zu machen, denn wenn es „falsch“ war, wissen Sie jetzt wie es „richtig“ ist und damit war es nicht falsch!

Für Fragen und Hilfe bezüglich Ihrer Person, stehe ich gerne jederzeit zur Verfügung und wünsche Ihnen mit diesem Gesundheitstipp eine zum nachdenken und in sich gehende Zeit, Zufriedenheit und Freude.

Von ganzem Herzen
Gerald Pfeiffer

http://www.GeraldPfeiffer.com
info@GeraldPfeiffer.com
0664/4019232


Nackt am Balkon, vor dem Spiegel

8. September 2010

von Josef Bonet

Bei einer Fronleichnamsprozession in der Pfarre Ober Sankt Veit, wo ich von 1972 bis 1975 Kaplan war, ereignete sich etwas, was meine Lebenseinstellung wesentlich geprägt hat. Es geschah Folgendes: Ein kleiner Bub nahm wahr, dass mein Priesterornat etwas zu kurz geraten und rief laut, mit dem dem Zeigefinger auf mich zeigend: „Mama, Mama, schau! Unter dem Pfarrer geht ein Mann!“  Die Wahrnehmung und der Ruf dieses Kindes ließen mich erkennen, wie wichtig es ist, dass „unter dem Pfarrer ein Mann ist“. Wenn es nicht so ist, bleibt alles nur Fassade, nur Kulisse. Zunächst ist der Mensch eben Mensch und der Mann eben Mann. Er kann dann Pfarrer werden, oder einen anderen Beruf ergreifen. Das Überbetonen des Priester-Seins gepaart mit dem Verdrängen des Mensch-Seins geschieht leider oft bei Priestern. Die Verdrängung ist aber auch bei allen anderen Berufen möglich, die Verdrängung ist immer problematisch und kann sogar zu Krankheiten und Depressionen führen.

Es hat in meinem Leben eine Phase gegeben, in der bedingt vor allem durch berufliche Überlastung, das Priester-Sein über das Mensch-Sein dominierte. Diese Tatsache führte mich unausweichlich in einen depressiven Zustand, der die Ausübung meines Berufs sehr erschwerte, sich allmählich mehr und mehr verschlimmerte und dazu führte, dass ich ernsthaft überlegte, meine Tätigkeit als Pfarrer aufzugeben.

Mein depressiver Zustand wurde zunächst mit leichten, später dann mit stärkeren Psychopharmaka behandelt. Ohne positive Ergebnisse.

Eine Ärztin war es schließlich, die mich -ohne jede medikamentöse Behandlung- aus meiner Depression herausholte. Sie hatte- so sagte man mir- in Deutschland ihre berufliche Tätigkeit als Heilpraktikerin angefangen und man sagte mir, dass sie eine sehr gute Diagnostikerin sei.

Bei ihr ersuchte ich um einen Ordinationstermin, den ich auch gleich bekam. Das Erste, was sie tat, war, sich um den gesundheitlichen Zustand meines Körpers zu vergewissern. Dazu empfiehl sie mir nicht die übliche Gesundheitsuntersuchung, sondern sie gab mir die Adressen einiger ihrer vertrauter Fachärzte, die ihr dann den Befund der jeweiligen Untersuchung zukommen ließen. Erst als sie erfahren hatte, dass mein physischer Zustand zufriedenstellend war, rief sie mich an, und gab mir den Termin für die nächste Ordination bekannt.

In dieser zweiten Ordination ersuchte sie mich, ihr die Räume meiner Dienstwohnung zu schildern. Ein Gespräch zwischen uns beiden entstand dabei nicht. Mit nur einzelnen, ganz knappen Worten wie „wo“, „was“, „wie“, usw. versuchte sie, meine Schilderung in Fluss zu halten. Als ich mit meiner Schilderung meiner Dienstwohnung fertig war, sagte sie zu mir: „Wenn Sie aus meiner Ordination hinausgehen… (dabei dachte ich mir: Jetzt bekomme ich endlich ein Rezept mit der Verschreibung der bei mir wirksamen Tablettten oder Tropfen, und gleich geht es wieder den Berg hinauf!)…kaufen Sie einen Spiegel, einen Ganzkörperspiegel. Und jeden Tag, nach dem Aufstehen, gehen Sie zum Spiegel, bleiben Sie vor ihm einige Augenblicke stehen und nehmen Sie wahr, dass Sie mehr sind als nur Kopf und Verstand.“

Enttäuscht ging ich aus der Ordination hinaus, mit dem gefassten Beschluss, nie wieder in die Ordination zu kommen. In meiner Verzweiflung kaufte ich den Spiegel, stand jeden Morgen davor und kam nach zwei Wochen, ohne jede Spur von Besserung, in die Ordination wieder.

Auch in dieser dritten Ordination wurde ich gar nicht nach meiner Befindlichkeit gefragt. Vielmehr wurde ich dazu aufgefordert, etwas über meine Tätigkeit als Pfarrer zu erzählen. Wiederum fand kein Gespräch zwischen uns beiden statt. Seitens der Frau Doktor wurden wieder nurr knappe, einzelne Worte ausgesprochen: „wie“, „warum“, „weshalb“, usw. Nach meinem Bericht erwiderte die Frau Doktor: „Sie haben das letzte Mal erwähnt, dass sich in Ihrer Dienstwohnung, auf der Gartenseite, ein Balkon befindet. Gehen Sie jeden Morgen, nach dem Aufstehen und bevor Sie sich in den Spiegel anschauen, absolut nackt, zum Balkon hinaus, im Sommer wie im Winter, und auch bei jedem Wetter, und nehmen Sie wahr, dass Sie nur ein kleines Rädchen sind im großen Spiel des Werdens und Vergehens. Lernen Sie dabei aus hautnaher Erfahrung, dass es Hochwürden, Menschen, die über alles stehen, alles zu wissen und zu können glauben, und die sich für alles zuständig fühlen, nicht gibt. Sie werden sich dabei bestimmt nicht erkälten.“

Zum Schluss empfahl mir die die Frau Doktor eine Behandlung nach der Grinbergmethode (Körperarbeit) in Anspruch zu nehmen. „Wenn möglich bei einer Frau“, sagte sie. Und sie fügte dann hinzu: „Als Pfarrer, der Sie sind, werden Ihnen weibliche Hände gut tun.“

Und so stand ich jeden Morgen nackt am Balkon und vor dem Spiegel und ließ mich nach der Grinbergmehtode körperlich von weiblichen Händen behandeln.

Die Ordination der Frau Doktor habe ich nicht mehr betreten. Sie selber war es, die mir sagte, nur dann wiederzukommen, wenn ich es für notwendig erachte. Es war es nicht. Telefonisch aber habe ich mich bei ihr herzlichst bedankt.

Zu meiner Psyche (Geist und Seele) kam ich also zurück durch meinen Körper. Durch äußere, sinnliche Wahrnehmung fand ich wieder zu mir selbst.

Ich habe die Erfahrung gemacht, dass der Mensch nicht ein Wesen mit Leib u n d Psyche ( Seele u n d Geist) ist, sondern ein Leib-Psyche-Wesen. Beides- Leib und Psyche- von einander absolut nicht zu trennen ist. Der Mensch ist ein Wesen, das eine Einheit ist, sich aber in zwei Dimensionen wahrnimmt: In der Dimension nach Außen (der Leib) und in der Dimension nach Innen (die Psyche: Geist und Seele). Aber er ist immer nur e i n Wesen.

Diese Erfahrung hat icht nur mein Leben verändert, sondern auch die Art und Weise, meine priesterlichen Aufgaben zu erfüllen. Ich habe verstanden, dass Seelsorge nur halbe Sache sein kann, denn der Mensch ist mehr als nur Seele. Der Mensch ist ein Leib-Psyche-Wesen. Deswegen wird eine Seelsorge, die nur Seelsorge im wortwörtlichen Sinne des Wortes „Seelsorge“ ist, nie den ganzen Menschen erreichen können.

Als Seelsorger konnte ich mich daher nicht mehr verstehen, aber auch nicht als „Menschensorger“. Denn ein Jeder muss sich selbst sorgen, für sich selbst Verantwortung tragen und wissen, was ihm gut tut.

Wenn also Menschen auf der Suche nach Hilfe für ein Gespräch zu mir kommen, so findet in Wirklichkeit kein Gespräch statt. Auch ich, wie bei der Frau Doktor gelernt, spreche nur ganz wenige Worte aus („wieso“, „warum“, „und dann“, usw.). Diese Worte sollen dem jeweiligen Menschen helfen, zu einer Klärung seiner Taten, Gefühle und Gedanken zu kommen, um dann, nach der gewonnen eigenen Einsicht, das im eigenen Leben zu ändern, was geändert werden muss. Ratschläge (nicht einmal gute!) erteile ich daher nicht.

Wenn aber die Hilfe suchende Person, aus welchen Gründen auch immer, sich nicht aussprechen kann, nachdem ich die Frage gestellt habe, ob sie zu mir Vertrauen hat (was alle ausnahmslos bejahen, denn sonst wären sie nicht zu mir gekommen), ersuche ich sie (nur erwachsene Personen!), sich flach auf den Boden zu legen, lege dann ganz schwerelos meine Hand auf ihre Bauchdecke und versuche wortlos (ohne zu erklären, was geschieht), ihre Atmung zu beruhigen und zu vertiefen. Meistens nach vierzig, fünfzig Minuten ist die Atmung ruhig und tief, die Durchblutung hat sich gebessert und die Person hat sich ganz entspannt. Auf meine Frage: „Wie fühlen Sie sich jetzt?“ antworten alle ausnahmslos: „Gut, sehr gut! Jetzt kann ich mich aussprechen.“  Was nicht gleich geschieht. Nach der Vereinbarung eines nächsten Termins gehen sie alle weg mit der gewonnenen Erfahrung: „Mir geht es gut. Sehr gut sogoar!“. Erst beim nächsten Treffen, bei dem die meisten nach einer Wiederholung der „Behandlung“ verlangen, gebe ich ihnen die Möglichkeit, durch das Erzählen aus dem eigenen Leben zu einer eigenen Lösung zu kommen. Meistens sind aber mehrere Termine notwendig.

Diese Art und Weise, die priesterliche Tätigkeit auszuüben, ist übrigens nichts Besonderes und auch nicht neu. Sie ist die ständige Praxis der christlichen Kirchen im Kernbereich ihrer Tätigkeiten, beim Vollzug der Sakramente: Wasser, Salböl, Brot und Wein, Handauflegung und Sexualität (Ehesakrament) und sprechen den Menschen in seiner Körprlichkeit, in seiner Sinnlichkeit an, meinen aber den ganzen Menschen. Leider werden diese Elemente in den christlichen Kirchen, und auch nicht so selten die Sexualität in der Partnerschaft auf nur ein zeichenhaftes Minimum reduziert.

Der klassische Spruch „mens sana in corpore sano“ (wenn der Leib gesund ist, dann ist die Seele gesund) dürfte demnach nicht ganz stimmen. Gesund ist der Mensch nur ganz. Eben nur dann, wenn Leib u n d Psyche (Geist und Seele) gesund sind.

Über den Autor: Josef Bonet ist röm.-kath. Pfarrer in Pension; pepone.bonet@tmo.at