Zum Thema „Kollektive Gesundheit“

22. Februar 2012

von Norbert Fuchs

Es wurde schon so viel Nützliches und weniger Nützliches geschrieben über Gesundheit und Krankheit, dass es mir müssig erscheint, diese Vielzahl an Beiträgen durch weitere Ein-, Aus-  und Übersichten zu ergänzen.

Gerne aber nütze ich Peter Bergers Blog dazu, einige Gedanken zum Begriff „Gesundheit“ zu formulieren, die mich zunehmend beschäftigen. Zunehmend beschäftigen als einer, der beruflich immer noch Respekt hat vor der Biologie von Natur und Mensch. Zunehmend beschäftigen nach mittlerweile beinahe 40 Jahren ambivalenten Erfahrungen mit dem „System Gesundheit“. Und nicht zuletzt zunehmend beschäftigen als Vater von vier Kindern, denen ich mehr hinterlassen möchte als ein materielles Erbe, das auf Kosten ihrer (und ihrer Kindeskinder) Zukunft „erwirtschaftet“ wurde.

Zur Frage „Wie gesund ist unser Wirtschaftssystem“:

Die Wirtschaftskrise 2008 zeigte uns deutlich, dass der globale Kapitalismus seine Grenzen hat. Sie zeigte uns aber auch, dass wir aus der Krise in den 1930er Jahren gelernt haben. Anders wäre es nicht gelungen, durch internationale Staatssolidarität den totalen Crash abzufedern.

Die unerwartet rasche Erholung aus der Krise aber brachte uns zwei weitere Erkenntnisse:

Einerseits, dass der Kern der (realen) Wirtschaft durchaus belastbar und kraftvoll ist, andererseits aber auch, dass die VertreterInnen der (Finanz)Wirtschaft aus der Krise nicht „gelernt“ haben. Wie sollten sie auch ? Sie haben ja nichts anderes „gelernt“, als mit Kapital zu handeln. Das Spiel „Spekulant spekuliert – Bank  borgt Spekulanten Geld – Staat fängt in der Krise Banken auf“ aber wird sich nicht allzu oft auf Kosten der Realwirtschaft und Steuerzahler wiederholen lassen.

Benedikt IX sagte im Zuge der Wirtschaftskrise sinngemäß einen bemerkenswerten Satz: „Geld ist weder gut noch schlecht. Erst der Mensch, der den Geldschein in die Hand nimmt, entscheidet darüber, ob dieses Geld gut oder schlecht ist.“ Vermutlich ist gerade dies die größte Schwachstelle des Kapitalismus: dass Geld keine Seele hat und dass die Ökonomie primär eine mathematische, aber keine moralisch-ethische Dimension zeigt.

Zur Frage „Wie gesund ist unsere Energiewirtschaft“:

Das wesentlichste Argument für die Nutzung von Atomstrom ist, dass AKW-Energie die günstigste Form der Energiegewinnung sei.

Dieses Argument aber ist gerade auch aus ökonomischer Sicht völlig absurd. Jeder unternehmerische Betrieb ist aus kaufmännischer Sorgfalt dazu verpflichtet, etwaige zukünftig anfallende Kosten (z.B. Abfertigung nach Ausscheiden von DienstnehmerInnen, drohende Zahlungen aus schwebenden Verfahren) durch sogenannte „Rücklagen“ bilanziell rückzustellen. Es bedarf keiner großen unternehmerischen Weitsicht, im Falle eines Betreibens von Atomkraftwerken davon auszugehen, dass im Laufe von Jahrzehnten mit mehr oder weniger großen Störfällen, statistisch betrachtet, auch mit dem einen oder anderen GAU zu rechnen sein muss.

Im aktuellen Fall von Fukushima zeigt sich, dass AKW-GAUe Streuwirkungen aufweisen, die alle bisher gewohnten geografischen und zeitlichen Dimensionen sprengen und praktisch alle Lebensräume betreffen. Alleine die ökonomische Berechnung der Folgekosten – und damit die Höhe der Rücklage – eines einzigen Super-GAUs würde uns zeigen, dass Atomstrom ökonomisch unrentabel ist.

Energiewirtschaft kann nur aus der Perspektive Generationen-übergreifender Zeiträume bewertet werden, wollen wir vermeiden, dass unsere Kinder und Kindeskinder damit beschäftigt sind, unseren Müll zu entsorgen (so ferne sie dazu gesundheitlich überhaupt in der Lage sein sollten).

Zur Frage „Wie gesund ist unser Gesundheitssystem“:

Der Gesundheitsmarkt ist einer der wenigen Märkte, in denen Zahlende und Konsumierende nicht identisch sind. Ein System, ursprünglich aus sozialen Motiven geschaffen und gewachsen, ist, je grösser und vernetzter, auch zunehmend anfällig gegen ideologischen Nepotismus, dogmatische Erstarrung und Korruption.

Der kritische Vorwurf, unsere Medizin verkomme immer mehr zur „Reparatur-, Apparate- und Symptomenmedizin“, spiegelt die gefährliche Realität dieser Erkenntnis wider. Bedenkt man, dass in den Industrieländern mittlerweile die Hälfte aller Erkranken als ernährungsbedingt oder zumindest ernährungsabhängig gelten, zeigt dies, dass sich Gesundheitspolitik nicht mehr auf medizinische Bereiche beschränken kann.

Die Tatsache, dass sich zwischen die ursprünglichen Lebensmittelerzeuger (Landwirtschaft) und KonsumentInnen eine mächtige Lebensmittel- und Futtermittel-Industrie gezwängt hat, die beinahe alles, was wir auf den Tisch gesetzt bekommen, raffiniert, konserviert, aromatisiert und in anderer Weise verändert, sollte uns den Blick über den Tellerrand öffnen. Gesundheit beginnt auf dem Ackerboden und nicht in den Krankenhäusern.

Zur Frage „Wie gesund ist unsere Politik“:

Verfolgt man die Kommentare politisch Verantwortlicher zu Tages- und Langzeitthemen, fällt immer häufiger ein Defizit an Volksnähe, Moral und / oder Hausverstand auf.

Analysiert man die Strukturen von Parteien, insbesondere jene der etablierten, so wird dabei die vernetzte Abhängigkeit dieser Parteien von ihren Flügeln und Bünden
sichtbar. Diese – historisch gewachsenen – Strukturen haben im Laufe von Jahrzehnten ein gegenseitiges Abhängigkeitsverhältnis geschaffen, das klare und nachhaltige Entscheidungen praktisch unmöglich macht.

Ein Schulsystem zu etablieren, das den aktuellen Anforderungen der soziodemografischen Struktur entspricht, kann keine Aufgabe von Jahrzehnten sein. Jungen Menschen klar zu machen, dass Studienplätze Geld kosten und daher – gegen einen zinsenlos rückzahlbaren Kredit – bezahlt werden müssen, ist keine Entscheidung gegen das Grundrecht für Bildung, sondern – im Gegenteil – eine effiziente Maßnahme, Kostenverantwortung zu vermitteln und soziale Unausgewogenheiten auszugleichen.

Dass notwendige politische Entscheidungen aufgeschoben, verschleppt oder halbherzig getroffen werden, spiegelt die Beziehungsstarre unserer politischen Parteienlandschaft wider. Nicht getroffene Entscheidungen aber sind die schlechtesten – und teuersten.

Zur Frage „Wie gesund sind unsere Politiker“:

War es vor einigen Jahrzehnten für manche Auserwählte noch eine ehrenvolle Herausforderung, auf politischer Ebene im Dienste der Allgemeinheit zu arbeiten, mutiert das politische Milieu immer mehr zum Nährboden für persönliche Raffgier.

Man muss nicht nach Tunesien, Russland, Namibia, Ägypten oder Libyen blicken, um eine grenzenlose Scham- und Skrupellosigkeit im Missbrauch politischer Macht zu orten. Auch in zentraleuropäischen Ländern werden politische Ämter zunehmend von Leuten dazu benutzt, ihre persönlichen materiellen und machtpolitischen Ziele zu erreichen. Die Frage nach der Parteizugehörigkeit spielt für diese Personen dabei nur eine untergeordnete Rolle, Hauptsache Geld fließt und Einfluss steigt.

Ex-Finanzminister, die vorzeigen, wie man Staatsabgaben über ausländische Stiftungen umgeht, Ex-Verkehrsminister, die vorführen, wie man Österreichs Autobahnen hinter unnötigen und teils lebensgefährlichen Schallschutzmauern und -Einhausungen verschanzt und Ex-Bundeskanzler, die atomare Energieversorger darüber beraten, wie man todsichere Projekte als dodelsicher verkaufen kann – das Sittenbild einer verkommenen Politikergeneration, dessen moralischer Verfall im medialen Alltag bestenfalls am Rande angemerkt wird.

Dass sich neben diesen „rechtlich korrekten“ Vernetzungen auch eine Reihe strafrechtlich relevanter Betrugsszenarien abspielen und abspielten, liegt auf der Hand, kann aber in vielen Fällen mangels handfester Beweise (und dank hochbezahlter, politisch und sozial ebenfalls bestens vernetzter Anwälte) nur selten strafrechtlich verfolgt werden.

Anschuldigungen dieser Art an Politiker wären vor Jahrzehnten noch mit Verleumdungsklagen beantwortet worden. Heute reicht den Betroffenen die Unschuldsvermutung und die selbstgerechte Meinung, nur von Neidern umgeben zu sein, um ihr Moral-entkoppeltes Society-Leben weiter zu leben.

Erkennt man nun, dass Energie, Wirtschafts-, Schul- und Gesundheitspolitik immer häufiger von dieser neuen Kategorie von PolitikerInnen betrieben und gesteuert wird, wird plötzlich klar, dass die Lösung dieser politischen Ziele gar nicht im Fokus deren politischen Engagements steht.

Über den Autor: Mag. Norbert Fuchs ist Konzessionär der Stadt Apotheke Bruck an der Mur und Leiter der Firma Ökopharm. Er ist Ernährungsexperte, Buchautor und Referent bei  der Ernährungsakademie Salzburg: http://www.bruck.apo.or.at/, http://www.oekopharm.at, http://www.naehrstoff-akademie.com/, http://www.intl.at/

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Was die Welt zusammenhält

28. September 2011

von Christl Meyer

Sicher das Wahre und Gute, aber nicht die Anpassung um jeden Preis. In dieser Welt der Interessensgruppen sind vielen Menschen die wahren Werte abhanden gekommen. Wir ersetzen sie  durch Gefügigkeit und Obrigkeitsdenken ebenso wie durch Aufgabe des Selbst, das immer nur eine Facette der anderen widerspiegelt und sich seiner Freiheit nicht mehr gewiss ist.

In einer Welt der Vielfalt ist jeder Mensch einzigartig und kann niemals durch Verleugnen dieser seiner Identität zu einem besseren Gelingen des Ganzen beitragen. Das Winden und Verbiegen, das Lügen und Täuschen, die fehlende Aufrichtigkeit führen zu innerem Zerwürfnis, das sich wie eine Krankheit in der Gesellschaft ausbreitet. Wo so tun als ob zur zweiten Natur geworden ist, kann eine Welt nicht gesund werden.

Was notwendig ist sind Wahrheit, Aufrichtigkeit, Mitmenschlichkeit und Bemühen aber nicht ihre Surrogate. Die Zeit, die manche Menschen mit unaufrichtigen Aktionen verbringen, ist für das Ganze eine verlorene Zeit. Das muss aber erst einmal erkannt werden. Farben sind Natur und Freude, aber nicht Signale, die eine echte und aufrechte Kommunikation ersetzen können. Wie viele Missverständnisse und Leiden hat unsere Symbolik schon die Menschen gekostet, wo ein ehrliches Wort viel einfacher und konstruktiver gewesen wäre.

Warum geben wir und mit Plagiaten und Zeichen zufrieden, wo wir durch Offenheit viel Positiveres erreichen könnten? Warum reden wir ÜBER andere statt MIT ihnen? Wer gibt uns das Recht, andere für das eigene Spiel zu missbrauchen? Nicht jeder Mensch möchte mitspielen. Die freie Entscheidung muss respektiert werden. Wieso respektieren wir nicht den Lebensentwurf des anderen? Was ist daran so schwer zu verstehen, dass mein Mitmensch auch glücklich sein möchte? Wird Glück durch Anhäufung von Geld mehr? Brauche ich Macht über andere Menschen, wenn ich keine über mich selbst habe?

Unsere Grundlage sind die MENSCHENRECHTE. Dazu gehört, dass ich meine Argumente und Gedanken äußern darf und keiner Unterdrückung, Repression, Drohung für Leib, Leben und Psyche oder Seele ausgesetzt bin. Pervertieren gute Dinge hin zum Schlechten, wenn sie immer mehr werden? In unserer Gesellschaft darf das Leid des einen nicht die Lebensgrundlage des anderen bilden.

Karitative und andere humane Tätigkeiten sind dazu da, Leid zu mindern, aber nicht es zur Selbsterhaltung zu erzeugen, um dann vermehrt tätig sein zu können. Es darf auch keine Selbstjustiz geben, die sich in einer Parallelwelt ihre eigenen Gesetze schreibt, sich über die anderen Menschen erhebend als Schiedsrichter über die Schöpfung oder Evolution!

Weltfrauentag ist auch Weltmenschentag! Wir alle sind gefragt, wenn es darum geht, menschengemachtes Unrecht zu vermeiden. Wir können nicht alles begreifen, aber alle Religionen und Ethiken kennen so etwas wie die „Goldene Regel“. Der Mensch als Teil der Natur verdient mit ihr zusammen einen respektvollen Umgang. Das Leben ist noch nicht erforscht, wir sollten es nicht durch unsere Handlungen zerstören!

Zum praktischen Teil der Umsetzung denke ich, dass unser Geist und Intellekt, der uns durch die geschaffene Technik körperlich entlastet hat und damit auch durch Steigerung der Effizienz in einigen Teilen der Welt mehr materielle Werte  verschafft hat, nun neue Aufgaben  bewältigen muss: Es geht nicht um mehr Arbeit für den Einzelnen, sondern um weniger Stunden für einen Vollarbeitsplatz, der dem Menschen ein würdiges Leben ermöglicht. Die freie Zeit brauchen wir für das Miteinander mit Familie, Freunden und für uns selbst, damit wir Zeit zur Reflexion und Kreativität sowie Kontemplation haben. Bildung, Politik und Kultur sowie die Teilnahme an  weiteren Feldern lassen uns erst zu dem werden, was wir schon lange vorgeben zu sein: Der Homo sapiens.

Wir müssen versuchen, die durch Egoismus, Ignoranz und Unwissenheit selbst geschaffenen Ungerechtigkeiten zu verringern. Das wird lange dauern, aber anfangen müssen wir jetzt! Vergessen wir nicht, dass die ersten Monate und Jahre des Lebens sehr bedeutsam und prägend sind, insbesondere was Selbstvertrauen und innere Werte betrifft. Wer sich selbst verachtet ist dem Gegenüber kein angenehmer Zeitgenosse. Wer Liebe nie GESPÜRT hat, kann sie auch nicht weitergeben. Wir wollen aber keine Gesellschaft des Misstrauens und der Falschheit sowie des Neides, der Gier, des Hasses und der Machtspiele.

Freiheit, und Achtsamkeit, Verantwortung und Einfühlung sind nur einige der Werte, die wir zusammen unterstützen müssen. Was wir brauchen ist nicht eine Verlängerung der alten Methoden, die ihre Wirksamkeit in einer guten Zukunft nicht entfalten können. Wer bewahren will, muss zu Veränderungen bereit sein. Diese betreffen eher die geistige, seelische bzw. spirituelle Dimension, ganz wie es dem einzelnen Menschen eigen ist. Die Sprache bildet hier nur eine Hilfskonstruktion, da wir unterschiedlich denken und empfinden.

Vielleicht habe ich einiges gesagt, dass Ihnen (Dir) gefällt, vielleicht gibt es auch Unterschiede! Im Sinne der freien Meinungsäußerung und  Pressefreiheit, die unsere Demokratie den Bürgern garantiert, besteht die Möglichkeit, sich selbst zu äußern. Seien wir den gerade im Aufbruch befindlichen Menschen, die sich die „Demokratie“ ersehnen, ein positives Vorbild, indem wir unsere Menschenrechte neu aktualisieren und jeder bei sich selbst mit dem „Aufräumen “ anfängt.

Wir haben die  Macht, die Erde und die Menschheit zu beschädigen, aber wir müssen und dürfen nicht tun, was technisch möglich ist. In einer gebildeten Welt (Bildung als allumfassender Begriff), in der Hoffnung für den Einzelnen und das Ganze besteht, geht die Entwicklung in die tragfähige Richtung. Es wird etwas länger dauern als mit den „alten Rezepten“, dafür ist das System aber stabiler, weil es nicht aufgezwungen worden ist. Der Menschheit kann man die Freiheit nicht vorenthalten, sie wird sich immer wehren!

Achtungsvoll und mit lieben Grüßen,
Christl Meyer

Über die Autorin: Christl Meyer ist Diplombiologin und hält regelmäßig Vorträge auf div. Volkshochschulen, z.B. über Immunsystem und Psyche oder Vorsorge und Früherkennung.


Nachhaltige Entwicklung als Schicksalsfrage

2. Februar 2011

von Alfred W. Strigl

Was keiner sagt, das sagt heraus

Wohin geht der Menschheit Entwicklung? Wie kann die Menschheit bei soviel Leid und Zerstörung einen Weg finden, der sie nicht weiter in diese Sackgasse führt? Die Menschheit verwandelt Antlitz und Leben auf diesem Planeten viele tausend Mal stärker als alle Naturgewalten zusammen. In weniger als hundert Jahren haben wir die Hälfte aller Wälder gerodet, haben wir die Hälfte aller Fische in den Weltmeeren geplündert, haben wir drei von zehn Lebensarten ausgerottet – unwiederbringlich.

Ist das der Menschheit Entwicklung, dass wir zerstören, verwüsten? Wir werden bald acht, bald zehn Milliarden Menschen sein. Jährlich kommen 80 Millionen Erdenbürger hinzu – einmal Deutschland. Gleichzeitig verlieren wir durch unsere Agroindustrien alle fünf Jahre fruchtbaren Boden im Ausmaß Deutschlands – durch Versteppung, Verkarstung – an die Wüste. Pro Kopf ernten wir mittlerweile so wenig Getreide wie ein halbes Jahrhundert nicht mehr. Die Lager sind leer. Doch alle Menschen wollen ein würdiges Leben, wollen ernährt, gekleidet, gebildet werden. Wie soll das – nachhaltig – gut gehen?

Seit mehr als zwanzig Jahren verbrauchen wir Menschen für unseren Wohlstand mehr als Mutter Natur uns schenkt. Lebten alle Menschen wie wir Europäer, bräuchten wir drei Erdenplaneten. Lebten alle Menschen wie die US-Amerikaner, bräuchten wir sechs. Menschen aus dem armen Süden kommen mit einem Zehntel unseres Naturverbrauchs aus. Auch das Anhäufen von Gütern macht Menschen nicht glücklicher. Müssen wir genügsamer werden?

Was keiner wagt, das sollt ihr wagen

Warum glauben wir gerade im Wirtschaften ans grenzenlose Wachstum? Als gäbe es hier auf Erden das ewige Leben zu erschaffen! Haben wir den Tod so weit verdrängt, dass wir vergessen haben wie alles Anfang und Ende nimmt? Unsere Kultur, und damit auch das Wirtschaften, ist eine einzige Flucht vor dem Sterben, ein Verdrängen des Alterns und Vergehens. Psychologen meinen, dass diese Art des Wirtschaftens, das kein Schrumpfen, kein organisches Vergehen gelernt hat, nie zukunftsfähig wird. Arroganz und Dekadenz werden heute kultiviert. Doch nachhaltiges Wirtschaften hat Demut und den Tod zu lernen!

 

Ich liebe die Erde. Ich liebe die Menschen. Ich glaube an die Menschen – fröhliche, glückliche, lachende, singende und tanzende Menschen. Auch an die, die weinen, glaube ich. Ich glaube an jeden einzelnen Menschen wie auch die Menschheit als kollektives Wesen. In jedem Menschen sehe ich das Edle und ich sehe zugleich auch mich. Ich glaube an das achtsame und heilsame Tun, an das würdevolle und barmherzige Tun. Erhaben, liebend und tatkräftig ist das Wesen der Menschheit. Wir sind es, die Himmel und Erde verbinden. Die Engel, sagt man, beneiden uns darum.

 

Das Ganze, sagen die alten Griechen, besteht aus dem Guten, Schönen und Wahren. Wenn alle drei harmonisch kommunizieren, entsteht Edles. Auch die Nachhaltigkeit besteht aus drei Dimensionen: Natur, Gesellschaft und Wirtschaft. Alle besitzen eigene Qualität und Würde, eigene Kraft und Logik. Alle sind mit unterschiedlichen Maßen zu messen, haben Eigenwert. Doch nur wenn sie harmonisch miteinander kommunizieren entsteht neben einem einzigen Zahlenwert wieder eine Vielzahl edler Werten, die uns Hoffnung und Heimat geben.

 

 

Was keiner denkt, das wagt zu denken

Nachhaltiges Leben zu erlernen brauchen wir Schulen und Akademien der Nachhaltigkeit – echte  Lebensakademien, die wieder Hirn, Herz und Hand verbinden. Nachhaltige Entwicklung muss Köpfe, Herzen und Hände gewinnen. Hoffnungsfrohe Bilder einer besseren Zukunft können die verkrusteten Denkstrukturen auflösen. Der Durchbruch steht unmittelbar bevor! Zahllose Kristallisationskeime der Nachhaltigkeit sind gelegt. Die Masse bleibt davon nicht unberührt. Die Lebensstile der Gesundheit und Nachhaltigkeit – Lohas (Lifestyle of health and sustainability) – und  technische Innovationen versöhnen sich im Namen der Vernunft. Das gibt Hoffnung zum Quadrat.

  • In Bildung und Politik wird Nachhaltigkeit zum Megatrend.
  • Biologische Lebensmittel boomen im Supermarkt.
  • Fair gehandelte Waren finden wir an jeder Tankstelle.
  • Kleider aus organischer Baumwolle kommen in Mode.
  • Waren ohne Kinderarbeit gehören langsam zum Muss.
  • Fahrrad und öffentlicher Verkehr werden immer attraktiv.
  • Wir bauen Häuser, die gelernt haben, Energie zu liefern, statt zu fressen.
  • Unsere Gelder legen wir nach ethischen Gesichtspunkten an.
  • Mikrokredite, meist in Händen von Frauen, verwandeln die Erde.
  • Sanfter Tourismus und achtsames Reisen nehmen stetig zu.
  • Grüne Chemie erschafft abbaubare Kunststoffe ohne schlechtes Gewissen.
  • Unsere Welt zeigt Alternativen wo das Auge nur hinfällt…

Nachhaltigkeit ist vom zivilen Ungehorsam zum gesellschaftlichen Generalthema geworden. Ganze Regionen verschreiben sich einer Idee, deren Zeit gekommen ist. In den Niederlanden gibt es ein Management der Transition, das alle Ministerien in ein übergreifendes Konzept einbindet, damit der Übergang zur Nachhaltigkeit gelingt. Schweden hat beschlossen, bis 2020 ohne Öl auszukommen. Güssing, im Süden Österreichs, ist mit großem wirtschaftlichem Erfolg in wenigen Jahren zur energie- und stromautarken Region geworden. Die Schweiz kehrt der Verschwendung den Rücken und will durch effiziente Lösungen die erst 2000-Watt Gesellschaft werden. Dänemark und Österreich sind Vorreiter im Biolandbau, der schon ein Fünftel des Landwirtschaftens erreicht.

Was keiner anfängt, das führt aus

Afrikaner habe ich einmal sagen hören: „Wenn Du schnell gehen willst, dann gehe allein. Wenn Du weit gehen musst, dann gehe mit allen“. In Wirklichkeit brauchen wir eine Neuentdeckung, die Neuerfindung des Gehens. Wir erreichen mehr durch Entschleunigung. Die Wiederentdeckung der Füße ist angesagt. Unser Lebensweg ist ja ein Lebensgang. Als Student schon hatte ich nicht die Zeit, um mit dem Rad oder gar dem Auto zu fahren. Das lenkt viel zu sehr vom Wesentlichen ab. Lieber bin ich eine Stunde zu Fuß zur Uni gegangen. Da konnte ich denken, sinnieren, im Langsamen das menschliche Maß entdecken.

Diese Lebenshaltung habe ich von meinem Großvater. Noch heute sehe ich uns mit Sensen Grasmähen. Damals habe ich die Kraft ebenmäßigen Gleichschritts gelernt – wie beim Pilgern. Doch auch hier scheinen wir das Wesentlich vergessen zu haben. Heute pilgern wir, als ob wir vor uns und der Welt davon rennen. Und wenn wir nach Wochen am lang ersehnten Ziel ankommen, katapultieren wir uns per Auto oder Flugzeug in wenigen Stunden wieder heim. Haben wir verlernt, dass jahrhunderte der Rückweg gleich lang dauerte wie der Hinweg? Die zweite Spielhälfte im Pilgern heißt Heimgehen. Erst hier wandelt sich, was im Pilgern gefunden wurde. Heimkehren zum Wesentlichen, das ist es, was wir geistesgegenwärtig und tatkräftig für die „Zukunftsfähigkeit“ brauchen. Wer sich selbst und seine kleine Welt verwandeln lernt, meistert die größten Dinge des Lebens.

Lass uns denn also im Namen der Menschlichkeit ein neues Zeitalter beginnen, eine neue Dimension entfalten! Alles was wir zur Transition in dieses neue Zeitalter brauchen ist Mut und Entschlossenheit. Längst erkennen wir die Notwendigkeit und wissen um unsere innere Weisheit. Der Zauber des Neubeginns wird uns beschützen, die Kraft der Verwandlung dabei führen.

Eine nachhaltige Entwicklung kann in drei täglichen Übungen gestärkt werden:

  1. Einmal am Tag ans Vergehen, Sterben und den Tod denken
  2. Mit eigenen Füßen gehen, langsam gehen, wann immer möglich
  3. So viel wie möglich lachen, um heimzukehren zu sich und den Menschen

Über den Autor: DI Dr. Alfred W. Strigl (geb. 1966) ist Geschäftsführer von p l e n u m – Gesellschaft für ganzheitlich nachhaltige entwicklung gmbh in Wien. Er  ist Vorstandsmitglied des Österreichischen Instituts für Nachhaltige Entwicklung mit Sitz an der Universität für Bodenkultur in Wien. Alfred Strigl ist Mitglied des Österreichischen Rats für Nachhaltige Entwicklung, Präsident von ESD European Sustainable Development und war 2002 Mitglied der österreichischen Delegation am World Summit on Sustainable Development in Johannesburg.

http://plenum.at/

PS: Was bewegt dich/Sie? Welche Visionen hast du/ haben Sie?  pberger@networld.at


Primordialprävention, Dialektik der Medizin

10. November 2010

von László Hávor

?Primum est medici cavere, secundum sanare, tertium officium est nihil nocere vitae? ?Die erste Pflicht des Arztes ist es vorzubeugen, die zweite zu heilen, die dritte dem Leben nicht zu schaden?

In Österreich steht die Gesundheit in der Wertigkeit an erster Stelle. Die Medizin, die heute praktiziert werden muss, ist noch nicht das, was sich alle Beteiligten (Arzt, Patient, Gesellschaft) erhoffen. Die praktische Umsetzung ist in der öffentlichen Meinung im philosophischen Vakuum einer wachsenden Kritik ausgesetzt.

Die heutige Medizin befindet sich deswegen in einem tief greifenden Wandel. Die westliche naturwissenschaftliche Medizin verfügt zurzeit über keine allgemein verbindliche Philosophie und Theorie. Mit Schlagwörtern wie Schulmedizin, Naturwissenschaftlicher Medizin, Psychosomatische Medizin, Ganzheitsmedizin, Alternativ- oder Komplementärmedizin, Erfahrungsmedizin wird heute in der öffentlichen Diskussion um Anerkennung unterschiedlicher philosophischer Konzepte gerungen. Die moderne Wissenschaftstheorie  die sich mit den Methoden, Strukturen und Auswirkungen von Wissenschaft beschäftigt, fordert auch von der Medizin, sich mit dem Sinn und den Zielen ihrer Methoden und Aussagen zu befassen. Und zueinander zu relativieren.

Jeder kann aus seinem eigenen Berufsfeld bestätigen, das das, was in der Öffentlichkeit als Wahrheit gehalten wird, oft nichts als Vorurteile oder zumindest nicht überprüfte Hintergrundsannahmen sind. Diese Annahmen gelten, als fraglos selbstverständlich, und als nicht begründungsbedürftig.

Noch nie war die Medizin so erfolgreich wie heute ? Aber auch noch nie so umstritten und einem Kreuzfeuer der Kritik ausgesetzt. Was begründet dieses Paradoxon?
Die Mortalität sinkt zwar leicht aber die Morbidität steigt stärker. Wie kann man dieses Paradoxon auflösen. Der neue Maßstab der Medizin ist die sog „burden of desease“, die Bürde der Erkrankung oder Krankheitslast.

Primordialprävention, der nächste Paradigmenwechsel ?
Dialektik der Medizin.

Prävention ist in aller Munde und ist inzwischen zum Heiligen Gral der Medizin avanciert.
Nichts liegt näher, als dass diese Begriffe, wie Primär-, Sekundär-,Tertiäprävention , klar definiert sind.
Es ist für nicht Epidemiologen schwer nachvollziehbar, dass hierbei um eine klassische babylonische Sprachverwirrung handelt.

Bei diesen Begriffen muss man deswegen immer die definierenden Gesellschaften als Quellen anführen.
Im neuen Zeitalter des modernen Korporatismus entsteht ein unüberschaubarer Aktivitätsbereich, die jede klare Zielsetzung und die dazugehrende Strategie uneinheitlich macht.

Gehen wir von der Praxis aus:
Immer, wenn wir Ärzte von den Kongressen zurückkommen, haben wir das Gefühl, dass wir besser werden. Bei den Abendnachrichten erfahren wir, dass unsere Sozialversicherungsbeiträge wieder einmal erhöht werden, in den Fachzeitschriften, dass die Krankheitslast  zunimmt. Man kommt um die Grundfrage nicht herum, trauen wir uns die kritischen Frage zu: wo und was sind die erklärten Ziele und Erfolge der Medizin?

Einige wichtige Grundlagen:
1.)Was ist Gesundheit? (WHO 1946) Gesundheit ist ein vollkommen körperliches, seelisches und gesellschaftliches Wohlbefinden und nicht allein Fehlen der Krankheiten.
2.)Wie ist der Ist- und Sollzustand der jobdiscription der Medizin?

Istzustand: Krankheitsmanagement (Krankensystem, Krankenverwaltung)

Sollzustand: Gesundheitsmanagement

Was sind Lippenbekenntnisse? Was ist Realität? Wie sind sie anzupeilen, um nicht in der babylonischen Sprachverwirrung unterzugehen?

Dialektik:
I.)   These:  Die sog. Schul-Medizin (nicht EBM-Medizin!!!)
II.)  Antithese:  Erfahrungsmedizin (wie TCM, Homöopathie,etc.)
III.) Synthese:   Primordialprävention

Das Drehbuch des klassischen Krankheitsfalles: Man wird mit dem Gesundheitskredit der Eltern geboren (das sind die Gene). Hauptsächlich durch belastende Lebensweise kommt es zur Reduktion der Kompensationskapazität des Körpers. Vorzeichen vermehren sich langsam, bis der Organismus den Aufgaben des Alltags nicht mehr gerecht werden kann. Beschwerden, Schmerzen, Leistungsabfall machen den Besuch der medizinischen Einrichtung notwendig.

I.)These: die sogenannte Schulmedizin

?High-tech, low-touch Medizin?
Drehbuch einer Krankheit.
Unsere Erbanlage ist nur der Kredit unserer Gesundheit. Sie bestimmt nur, wie breit unsere Lebensstraße ist und wie steil der Abhang ist. Wie viel Fehler wir uns leisten können, ohne abzurutschen, d.h. erkranken oder im Extremfall abstürzen, d.h. vorzeitig ableben. Jemand kann sich mehr, ein Anderer wiederum nur weniger Fehler leisten, d. h. auf der Straße des Lebens torkeln, ohne abzustürzen.

Man erbt seltener die Krankheiten an sich, als viel mehr die Straßenbreite und die Abhangssteilheit. Durch bewusste oder unbewusste  Lebensstilfehler kommt es zur Erhöhung der Kreditraten. Hier sprechen wir von erworbenen Risikofaktoren. Muss eine höhere Rate zahlen,  kommt es zur Manifestation einer Erkrankung.  Zurzeit sieht sich unsere traditionelle Medizin erst hier berufen auf die Bühne zu treten. ? Gehen Sie zum Arzt!?

Die Auswahl der Medikamente erfolgt nach dem Grundsatz der „eminence based medicine“ ca. in 70-80 % der Fälle.
Die „evidence based medicine“  Situation in nur etwa 20-30% der Fälle die Realität.
Nicht die PatientIn, in ihrer Individualität, sondern nur ihre selektive Organ-Krankheit,  als statistische Größe geht in die Gleichung ein und wird weniger geheilt, als viel mehr  kuriert, mit Medikamenten, die womöglich nie an einer Frau erprobt wurden.(= siehe Gendermedizin).

Wir können heute davon ausgehen, dass etwa 80% der PatientInnen, die eine praktischen Arztordination betreten, zu den chronisch Kranken gehören, d.h. wo eine Erreichung des ursprünglichen gesunden Zustandes (restitutio ad integrum) nicht mehr zu erwarten ist, sondern nur maximal von einer Defektheilung (=Reparation)  sprechen kann.
Auf eine kurze Formel gebracht:
Krankheit- X wird mit Medizin- Y behandelt.
Für Mathematiker: y=ax+b
Das entspricht der Formel einer Geraden.

Das Individuum kann sich in seiner existentiell komplizierten Einmaligkeit schwer in diesem, auf eindimensionales System gepresst, wiederfinden.

Schmidt&Bell,BMJ,(2003)
?Wir glauben, die Menschheit könnte profitieren, wenn die radikalsten Anhänger der evidenzbasierten Medizin ein randomisiertes, Plazebo kontrolliertes , cross-over , Doppelblind Experiment mit Fallschirmen planen würden und dann gleich selbst daran teilnehmen.?

II.)  Antithese: Erfahrungsmedizin (TCM, Homopathie,etc.)

?Low-tech, high -touch Medizin.?

Die Erfahrungsmedizin, wie Homööopathie,  TCM räumt den Kranken ihren individuellen Selbstfindungsplatz ein.
Krankheit X bei dem Individuum mit seiner Typizität (Homöopathie: Arneimitteltyp) Y verlangt die Therapie Z.

Mathematisch : y = ax +bz. +c
Das entspricht der Formel einer Ebene.
Die Genetik, wird diese zusätzliche Dimensionserweiterung  in den nächsten Jahrzehnten vollziehen und die jetzige EBM um eine zusätzliche Dimension erweitern.

Das ist das Grundproblem bei den Studiendesigns in der Erfahrungsmedizin, dass die üblichen statistischen Zahlen durch die Erweiterung um eine Dimension, nämlich von der Linie zur Ebene, mit den gleichen traditionellen statistischen Stärke  nicht mehr funktionieren. Das ist der Grund, warum die Erfahrungsmedizin bis heute mit den sog. doppelblind randomisierten, placebokontrollierten Studien in der herkömmlichen Methodik schlecht erfassbar ist und warum diese traditionelle Studienmodelle in der Zukunft abgelöst werden müssen.

Die asymmetrische Forcierung der apparativen Medizin zugunsten der Schulmedizin erzeugt eine schiefe Optik in der öffentlichen Meinung. Zwischen öffentlicher Meinung und Praxis klafft allerdings eine große Kluft. Nichtsdestoweniger erfreut sich die Erfahrungsmedizin schon seit Jahrzehnten zunehmender Beliebtheit.

80% der ÖsterreicherInnen verwenden regelmäßig erfahrungsmedizinische Methoden, die in der medialen Präsenz, so nicht reflektiert werden.
Obwohl die Homöopathie auf eine genauso lange Tradition, wie Schulmedizin zurückblicken kann, hat sie sehr lange auf eine offizielle Anerkennung warten müssen.
Die genetische Identifizierung der Dispositionen (=Krankheitsanfälligkeit), d.h. Gencode, wird die Statistik in der jetzigen Form der EMB Medizin ganz andere Wege gehen.

In der Praxis haben diese zwei grundverschiedene Denkweisen der Medizin Hochheitsgebiete erobert.
Während die Akutmedizin vornehmlich von der Schulmedizin bedient wird, hat sich die Homöopathie mehr in den chronifizierten Krankheiten etabliert.
Die Schulmedizin ist allopathisch, d.h. gegensinniger Therapieansatz : Feuerlöschen mit Wasser
Die Homopathie: Feuer mit Feuer bekämpfen.

Eines haben beide Methoden gemeinsam, dass sie zwar von der entgegengesetzten Seite sich der Lösung annähern, aber meistens nur rein symptomatologisch, aber nicht kausal behandeln.

Sollte der Grund der Entstehung der Krankheit in der falschen Lebensweise liegen, müssen wir uns die Frage stellen, machen die Patientinnen möglicherweise nach einer halben Stunde nach Verlassen der Ordination, der Ambulanz, uninformierterweise genau das, was die Krankheit ursprünglich auch ausgelöst hat.

Die Botschaft, die Lehre der Krankheit bleibt dem Kranken verborgen. Die notwendigen adaptiven Lebensstilkorrekturen bleiben aus und es wird nur die Frage der Zeit, bis wiederum die gleiche Krankheit, wegen der gleichen Ursachen auftreten und der Patient als anfälliger, chronisch Kranker zu einer Karteileiche wird.

Im Wesentlichen ist der Auftritt der Medizin nach Eintritt der Krankheit.
Die beste kurative Medizin ist, diejenige, die man nicht in Anspruch nehmen muss!!!
?Sollten die Menschen nur ein Bruchteil von dem Geld für die Gesundheitserhaltung ausgeben, wie sie zum erkranken ausgeben, wäre unsere Gesundheitsfinanzierungsproblem  längst gelöst.?

Unsere Kultur ist auf das Kranksein adaptiert.
Im Krankenhaus arbeiten Krankenschwester mit Ärzten an Krankheiten.
Der Mechanismus ist auf Krankheit aufgebaut. Das Kranksein ist die Existenzberechtigung der Maschinerie.
Man soll sich die Frage ersparen, den Maroniverkäufer zu fragen, ob man bei ihm Maroni kaufen soll 😉

III.) Synthese: Primordial Prävention

(Strasser 1978)
Strasser T. Reflections on cardiovascular diseases. Interdisc Sci Rev 1978; 3: 225-230

?Primum est medici cavere, secundum sanare, tertium officium est nihil nocere vitae? ? Die erste Pflicht des Arztes ist es vorzubeugen, die zweite zu heilen, die dritte dem Leben nicht zu schaden?

Die Synthese zwischen diesen zwei Polen besteht darin, dass man sich in der Zeitachse vorher einklinkt, der Gesundheit verschreibt und die Risikokompetenz in die Hände der Versicherten legt, nachdem ein kundiges öffentliches Bewusstsein geschaffen wurde.

Die Risiko-Verhinderung  heißt die Zauberformel.
Lebensstilberatung aufgrund der Epidemiologie und Toxikologie.
Der Ausdruck Primordialprävention ist vom Strasser, 1978 erstmalig erwähnt worden. Damit hat er die Verhinderung der Risikofaktoren gemeint.

Haben wir dieses Bewusstsein als Mediziner?
Sind wir überhaupt unter diesem Gesichtspunkt ausgebildet?
Obwohl dieser Ansatz dem Urprinzip der 3000 Jahre alten chinesischen Medizin entspricht, hat sie im heutigen Konzept keinen würdigen Vertreter gefunden.

Konkrete Zahlen einmal anders gesehen:
Nehmen wir alle jährliche Krebserkrankungen in Österreich.
An der Zahl ca 35.000.m(NEJM Doll and Peto 1996). Etwa die Hälfte ist auf die Nahrung zurückzuführen.
Nach epidemiologischer Faustregel muss man damit rechnen, dass etwa 50% von ihnen vorzeitig sterben werden. Das heißt, in Österreich mit 8 Millionen Einwohnern, sterben jedes Jahr ca. 15.000 vorzeitig an Krebs.

Es ist erlaubt, Fragen zu stellen.
Ich nehme den heiligen Gral der gynäkologischen Krebsvorsorge die Mammographie unter die Lupe.
Die Krebsvorsorge zielt im Wesentlichen auf die Früherkennung ab. ? Gehen Sie zur Mammographie, weil wir zwar die Entstehung nicht verhindern können aber zumindest früh erkennen! ?
Was macht eigentlich Brustkrebs? Kennen sie einen einzigen Epidemiologen oder Toxikologen? Haben Sie jemals in der öffentlich rechtlichen Medienlandschaft Informationen bekommen, die zu ihrer Lebensstilkorrektur geführt hat und damit Ihr Risiko auf ein Minimum reduziert wird?

Der modernste Teil der heutigen Medizin, die Vorsorgemedizin, beschränkt sich auf die Erkennung der Risikofaktoren, bevor sie klinisch manifest werden, nicht aber die Verhinderung der Entstehung der Selben.

Ich habe mir in der täglichen Praxis zu meiner vordergründigsten Aufgabe gemacht die Gründe ihrer Erkrankung aufzuklären und die Möglichkeiten der Vermeidung der Entstehung der Risikofaktoren. Bisher nicht veröffentlichte konkrete Zahlen dazu.

Auswertung der Daten einer Seit 10 Jahren auf Privatbasis geführter frauenärztlicher Ordination:
In 11 Jahren (1996-2007) habe ich keine einzige Patientin, die nach der Umstellung auf den Erdenvertrag, bis Feb. 2008) an Brustkrebs erkrankt ist! Frauen, die gerade wegen angegangenen Brustkrebsbehandlung in die Ordination gekommen sind, werden in ein anderem System geführt. Die mögliche Reduktion der Mortalität ist vielleicht nicht das Wesentlichste, sondern die Erkennung der Gesunden als Solche  und Bewahrung ihres Zustandes. (d.h. Nachhaltigkeit).

Einen energetischen Raum zu schaffen, wo die Frauen sich selbst wiederfinden. Wo sie für ihren Beitrag einen großen Bonus für menschliche Unzulänglichkeiten erhalten. Man kann nämlich nicht gesünder als gesund leben.
Das heißt, wenn diese Frauen sterben werden (hoffentlich im hohen Alter), nicht werden sagen müssen, ? Ich habe 60 Jahre Angst gehabt, Brustkrebs zu bekommen?.

Wissen Sie, meine sehr vereehrte Damen, was Sie in Ihrer Lebensführung berücksichtigen müssen um ihr Lebensrisiko auf ein Minimum zu reduzieren und ihre Lebens-Strassenbreite nicht zu überschreiten? Das möchte ich als Denkansatz vorführen,

Meine Präambel:
Medizin für Menschen statt Menschen für Medizin
Spruch: MedMen statt MenMed

Wahrheit, Authentiziät, Berufsführung: Das ärztliche Tun, d.h.,  das eigentliche Berufsethos muss sich nach der Wahrheit definieren, Wahrheit als adquatio rei et intellectus? . Dieses Bemühen um eine möglichst geringe Kluft zwischen Sein und Schein erachte ich als die Kernkomponente des ärztlichen Selbstverständnisses. Verschiedene externe Kräfte wie Geld, Ruhm, Profilneurose, Geltungssucht, Karrieresucht und weitere, drohen diese Authentizität zu zerstören.

Im Mittelpunkt der ureigenen Kompetenz der Philosophie steht das Nachdenken des Menschen über sich und die Welt. Dies gilt auch für den philosophierenden Mediziner und seine Welt.

Der Urvater der Medizin Hipokrates (460 -375 v. Chr.) betont die Notwendigkeit  philosophischen Denkens für den Arzt, sowohl mit Rücksicht auf die ärztliche Tätigkeit als auch auf ihn persönlich. Die Philosophie kann uns auf eine höhere Warte, von der Alltäglichkeit hinweg zu einer gewissen Distanz zum oft so kleinlichen Weltgetriebe führen, vielleicht zu etwas Abgeklärtheit, Weisheit.

Die vermeintliche Göttlichkeit der Wissenschaft ist offenbar allzu menschlichen Bedürfnissen gewichen.
Ein philosophisches Gespräch über die Wahrheitstheorien, begonnen bei Aristoteles bis hin zu Habermas, hilft zum eigenen ärztlichen Selbstverständnis zu finden.

Zusammenfassung:
Es gibt für Sie keine gute oder schlechte Medizin, nur für sie passende oder nicht passende, eine in Ihrer Wertigkeit stimmige oder unstimmige.
Die Lebenseinstellung wählt automatisch das dazu passende Medizinergrundkonzept aus. Je früher man im Drehbuch der Krankheit auftritt, umso breiter ist die Auswahlpalette.
Die Entscheidung : Es ist so, wie mit der Kommunikation von Wazlavik, man kann sich nicht  nicht entscheiden, keine Entscheidung ist nämlich auch eine Entscheidung.
Sie sind somit zu einer Entscheidung verdammt (Sartre).
Es ist der intellektuelle Zugang. Auf Kontemplation, geistliche Zugänge sei ausdrücklich hingewiesen, die hier aber nicht zum erklärtem Inhalt des Verfassers war.

Viel Erfolg in im Sinne der Selbstbestimmung durch Selbstfindung.

Über den Autor: Dr. László Hávor ist Facharzt für Gynäkologie und Geburtshilfe. http://www.havor.at/


Was ist ein gesunder Mensch?

9. Juni 2010

von Dan Jakubowicz

Was ist eine gesunde Zehe? Eine Zehe ohne Schmerzen, die ihre Aufgaben im Interesse des Gesamtorganismus gut erfüllt, ohne anderen Körperteilen zu schaden. Eine Zehe, die vielleicht bis auf ein paar Kleinigkeiten (eingerissener Nagel, …) total ok ist, mit hohem medizinischem Aufwand zu behandeln, auch wenn durch Nebenwirkungen der sonstige Organismus leidet, ist wohl unsinnig.

Was ist ein gesunder Mensch? Ein Mensch ohne Schmerzen (und mit Genuss!), der seine Aufgaben im Interesse des Gesamt“organismus“ Erde/Natur/Menschheit gut erfüllt, ohne dem Ökosystem oder anderen Menschen zu schaden.

Daher habe ich wenig Verständnis dafür, wenn Menschen verschiedene Kleinigkeiten an ihrem Körper mit hohem Aufwand wegtherapieren wollen, ohne daran zu denken, dass dadurch schädliche Nebenwirkungen auftreten – verringerte Fokussierung (und somit verringerte Aktivität) auf dem Feld der Ökologie und sozialen Gerechtigkeit durch Konzentration auf „eingerissene Zehennägel“…

Natürlich strebe auch ich wie alle andere Menschen persönliche Gesundheit an, und auch ich sehe mein „Hemd“ oft näher als die „Jacke“ der Welt… und bis zu einem gewissen Maß gestehe ich mir – und somit auch allen anderen – das zu.

Über den Autor: Dipl.-Ing. Dan Jakubowicz  ist Vorstandsmitglied und Mitbegründer von SOL– Menschen für Solidarität, Ökologie und Lebensstil: http://www.nachhaltig.at/

Buchtipp: Genuss und Nachhaltigkeit- Handbuch zur Veränderung des persönlichen Lebensstils, Dan Jakubowicz, Verlag Promedia, Wien, 1999