Pflanzliche Beruhigungsmittel

6. Dezember 2015

von Peter Berger

In der heutigen „Hektomatik-Welt“ leiden immer mehr Menschen unter dem Diktat der Fremdbestimmung und unter ihrem Leben im Hamsterrad. Kein Wunder daher, dass immer mehr Menschen Unruhe, Stress, nervöse Einschlafstörungen oder depressive Verstimmungen hautnah zu spüren bekommen. Da viele Betroffene nicht gleich zum Arzt gehen wollen, bieten sich pflanzliche Beruhigungsmittel an.

Baldrian hat sich bewährt, um die Einschlafzeit zu verkürzen, die nächtlichen Wachzeiten zu verringern sowie die Konzentration zu steigern.

Lavendel, Passionsblume und Melisse werden wegen ihrer angstlösenden Wirkung geschätzt.

Als pflanzliche Antidepressiva werden Johanniskraut, Ginsengwurzel oder die Taigawurzel verwendet, Rosenwurz aufgrund seiner stressreduzierenden  und angstlösenden Wirkung bei Prüfungsangst.

Bei Schlafstörungen und Stimmungsschwankungen können wir auf den Erfahrungsschatz der afrikanischen Volksmedizin zurückgreifen und Griffonia einnehmen.

Gegen die Kombination von mehreren pflanzlichen Präparaten spricht nichts dagegen, da sie an unterschiedlichen Stellen wirken. Im Gegensatz zu starken Antidepressiva schränken pflanzliche Beruhigungsmittel nicht die Leistungsfähigkeit oder Fahrtüchtigkeit ein, führen zu keiner Abhängigkeit und es gibt kaum oder gar keine Nebenwirkungen.

Achtung: Pflanzliche Präparate sollten nicht mit Antidepressiva kombiniert werden, da es im schlimmsten Fall zu einem lebensbedrohlichem Serotoninsyndrom kommen kann.

 

Literatur:

Meißner Thomas: Pflanzliche Mittel für die Psyche, Ärzte Zeitung App, 12.02.2014, Aufruf: 6.12.2015

ÖAZ 20, 28.9. 2015: Auflösung der Fragen zum Thema „Pflanzliche Sedativa“

Janovsky Astrid, Praxisvortrag: Phytotherapie für Nerven, Seele und Schlaf, 3.11.2015

http://www.corenberg.com/rhodiola-rosea-info/Rosenwurz (Rhodiola rosea) Informationen, Aufruf: 6.12.2015

http://www.naturaform.ch/html/griffonia1.html Griffonia, Aufruf: 6.12. 2015

http://www.ganzimmun.de/seiten/download_file.php?download_id=5002, D, Die Wirkung von 5-HTP aus Griffonia Simplicifolia, Aufruf: 6.12.2015

http://flexikon.doccheck.com/de/Serotoninsyndrom, Aufruf: 6.12.2015

http://www.pharmawiki.ch/wiki/index.php?wiki=serotoninsyndrom, Aufruf: 6.12.2015

 

 

 


Neue Therapieoptionen bei Wechselbeschwerden

29. November 2015

In seinem sehr interessanten Vortrag sprach der Wissenschaftler Prof. Dr. René Druckmann über die verschiedenen Möglichkeiten  der Hormonsubstitution bei Frauen, die unter Wechselbeschwerden leiden. Die Geschichte lehrte uns allerdings, dass die Hormonsubstitution für Frauen nicht risikofrei ist.

Eine Studie aus dem Jahr 2000 bestätigte den Verdacht:  bei Frauen, die über längere Zeit Hormonersatzpräparate verwendeten, gab es deutlich mehr Fälle von Thrombosen und Brustkrebs.

Seit der Einführung von Femalen steht Frauen mit Wechselbeschwerden ein innovatives Präparat zur Verfügung. Entwickelt vom schwedischen Gynäkologen Dr. Gösta Carlson handelt es sich dabei um einen allergenfreien Blütenstaub-Zellplasma-Extrakt. Durch das fehlende allergene Potential ist es daher auch für Frauen mit Heuschnupfen geeignet.

In Studien konnte gezeigt werden, dass nach mehrmonatiger Anwendung typische Wechselbeschwerden, wie Hitzewallungen, Schlaflosigkeit oder Stimmungsschwankungen verbessert wurden. Weitere Vorteile liegen in der guten Verträglichkeit und dass sie keine phytoöstroge Wirkung hat, d.h. dass es auch von Frauen mit Brustkrebs verwendet werden kann.

Quelle:Druckmann René: Neue Therapieoptionen bei Wechselbeschwerden, Skriptum ,Vortrag: 12.11.2015, Arcotel Kaiserwasser, 1220 Wien

 

 


Erhöhte Homocystein-Spiegel im Blut

22. November 2015

von Peter Berger

Homocystein ist eine Aminosäure, die zur Herstellung anderer Aminosäuren und somit zum Aufbau von Körpereiweiß benötigt wird. Sie wird im Körper aus der Aminosäure Methionin gebildet, die wir v.a. durch Fleisch, Wurst oder Milchprodukte zu uns nehmen.

Viele Experten fordern im Rahmen einer Gesundenuntersuchung im Blutbild abzuklären, ob ein erhöhter Homocystein-Spiegel vorliegt.

Dadurch könnten wir im wahrsten Sinne Leben retten und u.a. Venenthrombosen, Arteriosklerose (Gefäßverkalkung), Herzinfarkt oder Schlaganfall rechtzeitig verhindern.

In jedem Fall müssen erhöhte Homocystein-Spiegel im Blut ärztlich abgeklärt werden.

Üblicherweise wird Homocystein im Körper problemlos und rasch wieder abgebaut, wozu Vitamin B6, Vitamin B12 und v.a. Folsäure benötigt werden.

Durch entsprechende (vegetarische) Ernährungsgewohnheiten und durch Einnahme von hochkonzentrierten Vitaminpräparaten, die Folsäure, Vitamin B6 und Vitamin B12 enthalten, haben wir es üblicherweise selbst in der Hand, erhöhte Homocystein-Werte zu senken.

 

Literatur:

https://www.gesundheit.gv.at/Portal.Node/ghp/public/content/labor/referenzwerte/homocystein-hcys.html, Aufruf: 22.11.2015

http://www.med4you.at/laborbefunde/lbef_homocystein.htm, Aufruf: 22.11.2015

http://www.s-hennebach.de/praxis/homocystein.html, Aufruf: 22.11.2015

https://www.gesundheit.gv.at/Portal.Node/ghp/public/content/Vorsorgeuntersuchung_Ablauf_LN.html, Aufruf: 22.11.2015

 

 

 

 

 


Brahmi als Gehirnstärkungsmittel

15. November 2015

von Peter Berger

Die in Europa noch relativ unbekannte Heilpflanze Brahmi (Bacopa monnieri) wird in Asien seit Jahrhunderten geschätzt. Sie wird in der ayurvedischen Medizin wegen ihrer leistungssteigernden Wirkung auf das Denkvermögen verwendet. Zudem soll sie das Kurz- und Langzeitgedächtnis fördern.

Studienergebnisse zeigen Verbesserungen in der Lernbereitschaft, in der Informationsverarbeitung sowie in der Vermindung von Ängsten.

Da Brahmi die Reaktionszeit verkürzt und die Gedächtnisleistung verbessert, ist Brahmi auch Gegenstand intensiver Forschungen hinsichtlich Demenzerkrankungen.

Achtung: Die in Brahmi enthaltenen Alkaloide wirken in hohen Dosen giftig, d.h. Brahmi nur in normalen Dosen, aber bitte nicht exzessiv einnehmen.

Wer jetzt neugierig geworden ist, kann sich das Nahrungsergänzungsmittel Brahmi auch hierzulande kaufen.

Literatur:

http://www.kraeuter-buch.de/kraeuter/Brahmi.html, Aufruf: 14.11.2015

Achmüller Arnold, ÖAZ 21, 12.10. 2015

http://www.ayurveda-klinik.de/brahmi.html, Aufruf: 21.11.15

http://www.heilpflanzenkatalog.net/heilpflanzen/heilpflanzen-der-ayurveda/221-brahmi.html, Aufruf: 21.11.2015


Interessiert es dich vielleicht, dass…?

29. November 2014

von Peter Berger

…die Aminosäure L-Lysin zur diätischen Behandlung von Fieberblasen verwendet wird, da es die Vermehrung der Herpesviren verlangsamt. Sein Gegenspieler L-Arginin fördert die Virusvermehrung. Tipp: bei sprießenden Fieberblasen argininreiche Ernährung, wie Schokolade, Haselnüsse, Haferflocken, Sojabohnen, Weizenkeime, Eier, Thunfisch vermeiden.

Frauenmanteltee traditionellerweise bei Frauenleiden eingesetzt wird, insbesondere bei schmerzhafter Monatsblutung.

…die Menschen in Okinawa die höchste Lebenserwartung der Welt hat – mit 4x mehr Hundertjährigen als die westlichen „Zivilisationsmenschen“. Die Wissenschaftler haben die Geheimnisse dieser Langlebigkeitsmenschen untersucht. Das Ergebnis war eindeutig: Nicht die Gene, sondern der einfache und gesunde Lebensstil hält diese Menschen so lange körperlich und geistig fit.

 „Was ich am meisten am Stress fürchte, ist nicht die Tatsache, dass er mich umbringt, sondern dass er mich davon abhält, das Leben zu genießen.“                          


Heuschnupfen

28. März 2012

von Peter Berger

Beim Heuschnupfen handelt es sich um eine Überempfindlichkeits-reaktion des Immunsystems gegenüber Blüten- und Gräserpollen oder anderen körperfremden Stoffen (z.B. Hausstaubmilbenkot, Schimmelpilzen,Tierhaaren).

Eine Selbstbehandlung ist vertretbar, wenn der Auslöser des Heuschnupfens bekannt ist und die Symptome sich auf Schnupfen, Niesreiz, Bindehautentzündung und lokal begrenztes Hautjucken beschränken.

Bei Atemnot, nächtlichem oder belastungsinduziertem Husten ist an allergisches Asthma zu denken. Hier besteht Gefahr in Verzug und ein rascher Arztbesuch ist erforderlich. Ebenso bei Blutdruckabfall, großflächigen juckenden Hautreaktionen, Kindern unter 12 Jahren, schwangeren, stillenden Frauen oder bei Verdacht auf Stirnhöhlenentzündung (Druckgefühl beim Bücken). Für die Überbrückung der Zeit bis zum Arztbesuch ist eine symptomatische Therapie sinnvoll.

Welcher Nasenspray, Augentropfen oder Salbe am besten für die Selbstmedikation geeignet ist- bitte darüber mit der Apothekerin/ dem Apotheker deiner Wahl sprechen! Tipp: Durch häufiges Ausspülen der Pollen aus der Nase mit Kochsalzlösung oder mittels Nasendusche und geeignetem Nasenspülsalz kann häufig der Bedarf an antiallergischen Medikamenten reduziert werden.

Verhaltensmaßnahmen für Pollenallergiker

  • Allergen so weit als möglich vermeiden: im Wohnbereich auf Teppiche, nicht waschbare Stoffvorhänge, Polstermöbel (Staubfänger!) verzichten, Fell des Lieblingshaustieres wöchentlich mit Spezialshampoo waschen und nicht ins Schlafzimmer lassen
  • Täglich Staub saugen, um Pollen auf Teppichen und Möbeln zu entfernen.
  • Bei Allergie gegen Hausstaubmilben: milbendichte Matratzen-, Betten- und Kopfpolster verwenden
  • Lüften: 3- 4 x täglich 10 Minuten lang, nicht zwischen vier Uhr und sechs Uhr früh da Pollenkonzentration in der Luft am größten, zwischen 19 und 24 Uhr nimmt die Pollendichte ab, also der beste Zeitraum zum Lüften
  • Schlafzimmer kühl und trocken halten, ideal 18°C und maximal 50 % Luftfeuchte
  • Kleidung:  mit mindestens 60°C waschen, nicht in Wohn- oder Schlafzimmer ausziehen (Hautschuppen Hauptnahrungsquelle von Milben)
  • Am Abend Haare waschen
  • für Kinder waschbare Schmusetiere besser als Fell- und Plüschtiere
  • Autofahren: Lüftung ausschalten, Fenster schließen
  • Urlaubsplanung:  Berg- oder Meerurlaub
  • Pollenvorhersage nützen: www.pollenwarndienst.at

Literatur beim Verfasser: pberger@networld.at


Zum Thema „Kollektive Gesundheit“

22. Februar 2012

von Norbert Fuchs

Es wurde schon so viel Nützliches und weniger Nützliches geschrieben über Gesundheit und Krankheit, dass es mir müssig erscheint, diese Vielzahl an Beiträgen durch weitere Ein-, Aus-  und Übersichten zu ergänzen.

Gerne aber nütze ich Peter Bergers Blog dazu, einige Gedanken zum Begriff „Gesundheit“ zu formulieren, die mich zunehmend beschäftigen. Zunehmend beschäftigen als einer, der beruflich immer noch Respekt hat vor der Biologie von Natur und Mensch. Zunehmend beschäftigen nach mittlerweile beinahe 40 Jahren ambivalenten Erfahrungen mit dem „System Gesundheit“. Und nicht zuletzt zunehmend beschäftigen als Vater von vier Kindern, denen ich mehr hinterlassen möchte als ein materielles Erbe, das auf Kosten ihrer (und ihrer Kindeskinder) Zukunft „erwirtschaftet“ wurde.

Zur Frage „Wie gesund ist unser Wirtschaftssystem“:

Die Wirtschaftskrise 2008 zeigte uns deutlich, dass der globale Kapitalismus seine Grenzen hat. Sie zeigte uns aber auch, dass wir aus der Krise in den 1930er Jahren gelernt haben. Anders wäre es nicht gelungen, durch internationale Staatssolidarität den totalen Crash abzufedern.

Die unerwartet rasche Erholung aus der Krise aber brachte uns zwei weitere Erkenntnisse:

Einerseits, dass der Kern der (realen) Wirtschaft durchaus belastbar und kraftvoll ist, andererseits aber auch, dass die VertreterInnen der (Finanz)Wirtschaft aus der Krise nicht „gelernt“ haben. Wie sollten sie auch ? Sie haben ja nichts anderes „gelernt“, als mit Kapital zu handeln. Das Spiel „Spekulant spekuliert – Bank  borgt Spekulanten Geld – Staat fängt in der Krise Banken auf“ aber wird sich nicht allzu oft auf Kosten der Realwirtschaft und Steuerzahler wiederholen lassen.

Benedikt IX sagte im Zuge der Wirtschaftskrise sinngemäß einen bemerkenswerten Satz: „Geld ist weder gut noch schlecht. Erst der Mensch, der den Geldschein in die Hand nimmt, entscheidet darüber, ob dieses Geld gut oder schlecht ist.“ Vermutlich ist gerade dies die größte Schwachstelle des Kapitalismus: dass Geld keine Seele hat und dass die Ökonomie primär eine mathematische, aber keine moralisch-ethische Dimension zeigt.

Zur Frage „Wie gesund ist unsere Energiewirtschaft“:

Das wesentlichste Argument für die Nutzung von Atomstrom ist, dass AKW-Energie die günstigste Form der Energiegewinnung sei.

Dieses Argument aber ist gerade auch aus ökonomischer Sicht völlig absurd. Jeder unternehmerische Betrieb ist aus kaufmännischer Sorgfalt dazu verpflichtet, etwaige zukünftig anfallende Kosten (z.B. Abfertigung nach Ausscheiden von DienstnehmerInnen, drohende Zahlungen aus schwebenden Verfahren) durch sogenannte „Rücklagen“ bilanziell rückzustellen. Es bedarf keiner großen unternehmerischen Weitsicht, im Falle eines Betreibens von Atomkraftwerken davon auszugehen, dass im Laufe von Jahrzehnten mit mehr oder weniger großen Störfällen, statistisch betrachtet, auch mit dem einen oder anderen GAU zu rechnen sein muss.

Im aktuellen Fall von Fukushima zeigt sich, dass AKW-GAUe Streuwirkungen aufweisen, die alle bisher gewohnten geografischen und zeitlichen Dimensionen sprengen und praktisch alle Lebensräume betreffen. Alleine die ökonomische Berechnung der Folgekosten – und damit die Höhe der Rücklage – eines einzigen Super-GAUs würde uns zeigen, dass Atomstrom ökonomisch unrentabel ist.

Energiewirtschaft kann nur aus der Perspektive Generationen-übergreifender Zeiträume bewertet werden, wollen wir vermeiden, dass unsere Kinder und Kindeskinder damit beschäftigt sind, unseren Müll zu entsorgen (so ferne sie dazu gesundheitlich überhaupt in der Lage sein sollten).

Zur Frage „Wie gesund ist unser Gesundheitssystem“:

Der Gesundheitsmarkt ist einer der wenigen Märkte, in denen Zahlende und Konsumierende nicht identisch sind. Ein System, ursprünglich aus sozialen Motiven geschaffen und gewachsen, ist, je grösser und vernetzter, auch zunehmend anfällig gegen ideologischen Nepotismus, dogmatische Erstarrung und Korruption.

Der kritische Vorwurf, unsere Medizin verkomme immer mehr zur „Reparatur-, Apparate- und Symptomenmedizin“, spiegelt die gefährliche Realität dieser Erkenntnis wider. Bedenkt man, dass in den Industrieländern mittlerweile die Hälfte aller Erkranken als ernährungsbedingt oder zumindest ernährungsabhängig gelten, zeigt dies, dass sich Gesundheitspolitik nicht mehr auf medizinische Bereiche beschränken kann.

Die Tatsache, dass sich zwischen die ursprünglichen Lebensmittelerzeuger (Landwirtschaft) und KonsumentInnen eine mächtige Lebensmittel- und Futtermittel-Industrie gezwängt hat, die beinahe alles, was wir auf den Tisch gesetzt bekommen, raffiniert, konserviert, aromatisiert und in anderer Weise verändert, sollte uns den Blick über den Tellerrand öffnen. Gesundheit beginnt auf dem Ackerboden und nicht in den Krankenhäusern.

Zur Frage „Wie gesund ist unsere Politik“:

Verfolgt man die Kommentare politisch Verantwortlicher zu Tages- und Langzeitthemen, fällt immer häufiger ein Defizit an Volksnähe, Moral und / oder Hausverstand auf.

Analysiert man die Strukturen von Parteien, insbesondere jene der etablierten, so wird dabei die vernetzte Abhängigkeit dieser Parteien von ihren Flügeln und Bünden
sichtbar. Diese – historisch gewachsenen – Strukturen haben im Laufe von Jahrzehnten ein gegenseitiges Abhängigkeitsverhältnis geschaffen, das klare und nachhaltige Entscheidungen praktisch unmöglich macht.

Ein Schulsystem zu etablieren, das den aktuellen Anforderungen der soziodemografischen Struktur entspricht, kann keine Aufgabe von Jahrzehnten sein. Jungen Menschen klar zu machen, dass Studienplätze Geld kosten und daher – gegen einen zinsenlos rückzahlbaren Kredit – bezahlt werden müssen, ist keine Entscheidung gegen das Grundrecht für Bildung, sondern – im Gegenteil – eine effiziente Maßnahme, Kostenverantwortung zu vermitteln und soziale Unausgewogenheiten auszugleichen.

Dass notwendige politische Entscheidungen aufgeschoben, verschleppt oder halbherzig getroffen werden, spiegelt die Beziehungsstarre unserer politischen Parteienlandschaft wider. Nicht getroffene Entscheidungen aber sind die schlechtesten – und teuersten.

Zur Frage „Wie gesund sind unsere Politiker“:

War es vor einigen Jahrzehnten für manche Auserwählte noch eine ehrenvolle Herausforderung, auf politischer Ebene im Dienste der Allgemeinheit zu arbeiten, mutiert das politische Milieu immer mehr zum Nährboden für persönliche Raffgier.

Man muss nicht nach Tunesien, Russland, Namibia, Ägypten oder Libyen blicken, um eine grenzenlose Scham- und Skrupellosigkeit im Missbrauch politischer Macht zu orten. Auch in zentraleuropäischen Ländern werden politische Ämter zunehmend von Leuten dazu benutzt, ihre persönlichen materiellen und machtpolitischen Ziele zu erreichen. Die Frage nach der Parteizugehörigkeit spielt für diese Personen dabei nur eine untergeordnete Rolle, Hauptsache Geld fließt und Einfluss steigt.

Ex-Finanzminister, die vorzeigen, wie man Staatsabgaben über ausländische Stiftungen umgeht, Ex-Verkehrsminister, die vorführen, wie man Österreichs Autobahnen hinter unnötigen und teils lebensgefährlichen Schallschutzmauern und -Einhausungen verschanzt und Ex-Bundeskanzler, die atomare Energieversorger darüber beraten, wie man todsichere Projekte als dodelsicher verkaufen kann – das Sittenbild einer verkommenen Politikergeneration, dessen moralischer Verfall im medialen Alltag bestenfalls am Rande angemerkt wird.

Dass sich neben diesen „rechtlich korrekten“ Vernetzungen auch eine Reihe strafrechtlich relevanter Betrugsszenarien abspielen und abspielten, liegt auf der Hand, kann aber in vielen Fällen mangels handfester Beweise (und dank hochbezahlter, politisch und sozial ebenfalls bestens vernetzter Anwälte) nur selten strafrechtlich verfolgt werden.

Anschuldigungen dieser Art an Politiker wären vor Jahrzehnten noch mit Verleumdungsklagen beantwortet worden. Heute reicht den Betroffenen die Unschuldsvermutung und die selbstgerechte Meinung, nur von Neidern umgeben zu sein, um ihr Moral-entkoppeltes Society-Leben weiter zu leben.

Erkennt man nun, dass Energie, Wirtschafts-, Schul- und Gesundheitspolitik immer häufiger von dieser neuen Kategorie von PolitikerInnen betrieben und gesteuert wird, wird plötzlich klar, dass die Lösung dieser politischen Ziele gar nicht im Fokus deren politischen Engagements steht.

Über den Autor: Mag. Norbert Fuchs ist Konzessionär der Stadt Apotheke Bruck an der Mur und Leiter der Firma Ökopharm. Er ist Ernährungsexperte, Buchautor und Referent bei  der Ernährungsakademie Salzburg: http://www.bruck.apo.or.at/, http://www.oekopharm.at, http://www.naehrstoff-akademie.com/, http://www.intl.at/